"Wir können uns im internationalen Vergleich gut sehen lassen" - UNESCO-Resolution für Biosphärenreservate
Zur frisch verabschiedeten Pariser UNESCO-Resolution erläutert Eugen Nowak, welche Bedeutung sie für die deutschen Biosphärenreservate hat. Nowak ist Sprecher der AG Biosphärenreservate von EUROPARC Deutschland.Was bedeutet die Resolution der 35. UNESCO-Generalkonferenz vom Oktober 2009 für die deutschen Biosphärenreservate?
Es zeugt von der wachsenden Bedeutung des MaB-Programms und der Biosphärenreservate innerhalb der UNESCO, dass die Generalkonferenz auf ihrer 35. Sitzung diese Resolution beschlossen hat. Die Vorreiterrolle der Biosphärenreservate bei der Suche nach konkreten Lösungen für die globalen Herausforderungen wird inzwischen auch international wahrgenommen. Gerade die Verknüpfung von Innovation mit praktischem Handeln ist ein Markenzeichen der Biosphärenreservate.
Für uns in Deutschland ist die Resolution eine Bestätigung für den eingeschlagenen Weg hin zu Modellgebieten nachhaltiger Entwicklung. Sie wird uns hoffentlich noch mehr Gewicht in der politischen Diskussion geben. Für die Akteure vor Ort sollte es eine Bestärkung in ihrem Engagement sein.
Wo stehen die deutschen Biosphärenreservate im internationalen Kontext?
Wir können uns im internationalen Vergleich gut sehen lassen – wenn auch noch nicht alle Probleme zufriedenstellend gelöst sind. Als vorbildlich schätze ich die Ausrichtung der deutschen Biosphärenreservate auf eine nachhaltige Regionalentwicklung ein. Hier gibt es zahlreiche gelungene Beispiele, z.B. regionale Vermarktungsstrukturen und Regionalmarken. Auch der ökologische Landbau hat in deutschen Biosphärenreservaten überdurchschnittliche Flächenanteile. Die Einbeziehung regionaler Akteure in Planungs- und Entscheidungsprozesse wird bei uns ebenfalls gut umgesetzt.
Defizite sehe ich dagegen in der personellen Ausstattung, insbesondere mit interdisziplinärer Ausrichtung. Auch bei der Flächensicherung für den Natur- und Artenschutz gibt es noch Handlungsbedarf, ebenso beim so notwendigen Wasserrückhalt in der Landschaft.
Gibt es deutsche Biosphärenreservate, die eine Vorreiterrolle übernehmen?
Es ist immer schwer, einzelne herauszuheben. Vielmehr hat jedes Biosphärenreservat seine spezifischen Stärken. Gute Beispiele kamen in den letzten Jahren aus dem Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer bei der Umweltbildung, vom Schaalsee bei der Umweltkommunikation, aus der Rhön bei der interdisziplinären Forschung oder aus dem Spreewald bei der Regionalvermarktung.
Welche Verbindlichkeit hat die Resolution für die einzelnen Biosphärenreservate?
Wie der Wortlaut schon nahe legt, haben Resolutionen der UNESCO-Generalkonferenz empfehlenden Charakter für die einzelnen Staaten. Ich bin aber sicher, dass diese Empfehlungen vom Bund an die zuständigen Länder weitergeleitet werden und dort auch auf fruchtbaren Boden fallen werden.
Ebenso wichtig ist es aber für EUROPARC und die einzelnen Biosphärenreservate, diese Resolution jetzt in die Öffentlichkeit zu tragen. Damit wird eine Kernforderung der Resolution umgesetzt – nämlich die für eine nachhaltige Entwicklung in den Biosphärenreservaten „nötigen Ressourcen aufzuwenden und Biosphärenreservate als Politikinstrumente zu begreifen, für die Verantwortung ressortübergreifend und auf allen Politikebenen getragen werden muss“.
Wie wird sich die Zusammenarbeit mit dem MaB-Nationalkomitee künftig entwickeln?
Die Zusammenarbeit mit dem Nationalkomitee hat sich in den letzten Jahren sehr gut entwickelt. Wir haben die Nationalen Kriterien überarbeitet und alle Biosphärenreservate sind evaluiert. Besonders hervorheben möchte ich die Rolle der Vorsitzenden, Frau Sahler, die es geschafft hat, das MaB-Programm und die Biosphärenreservate in der Politik bekannter zu machen. Sie hat uns durch die Möglichkeit der Teilhabe an spezifischen Förderprogrammen des Bundes auch wichtige inhaltliche Impulse gegeben. Das Forschungs- und Entwicklungs-Vorhaben „Biosphärenreservate als Modellregionen für Klimaschutz und Klimaanpassung“ ist ja noch nicht beendet und ich bin gespannt auf die Ergebnisse in den einzelnen Gebieten.

Für die Zukunft wünsche ich mir weiter eine enge Kommunikation zwischen Nationalkomitee und der Arbeitsgruppe der Biosphärenreservate in Deutschland (AGBR). Die gemeinsamen Sitzungen waren für mich immer ein Gewinn. Auch der Kontakt zur Wirtschaft könnte über das Nationalkomitee ausgebaut werden. Insgesamt denke ich, dass das Nationalkomitee künftig noch stärker Impulse setzen kann, die die Biosphärenreservate in den einzelnen Bundesländern voranbringen.
Eugen Nowak (46) ist seit 2002 Leiter des Biosphärenreservats Spreewald und in diesem Jahr zum Sprecher der AG Biosphärenreservate bei EUROPARC Deutschland berufen worden.
Nach seiner Berufsausbildung zum Forstfacharbeiter studierte er an der Technischen Universität Dresden Forstwissenschaft und arbeitete ab 1990 für zwei Jahre im Amt für Forstwirtschaft Kyritz. Bereits ab 1992 leitete er im Biosphärenreservat Spreewald das Referat Ökologische Waldwirtschaft und Jagd, bis er im Juni 2001 zum Leiter des neu gegründeten Naturparks Stechlin-Ruppiner Land berufen wurde.
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