Biosphärenreservate in Deutschland

Im Biosphärenreservat Mittelelbe befinden sich die größten zusammenhängenden Hart-holzauenwälder Mitteleuropas. Die Auenlandschaft dient als großes Überflutungsgebiet bei Hochwasser. Sie bietet Pflanzen und Tieren, die an die wechselnden Wasserstände ange-passt sind, wertvollen Lebensraum. Das „Wappentier“ des Biosphärenreservats Mittelelbe ist der Elbebiber. Hier findet die einst vom Aussterben bedrohte Art von jeher optimale Lebensbedingungen. Zahlreiche Biber konnten sogar in andere Gebiete Europas zur Wie-deransiedlung abgegeben werden. Auch seltene Vogelarten wie Kranich, Seeadler und Schwarzstorch haben hier ein Refugium, Zugvögel angestammte Rastplätze. Mit der deut-lich verbesserten Wassergüte der Elbe leben darin wieder rund 35 Fischarten.

Gründungsjahr: 1979
Geographische Lage: Elbe-Mulde-Tiefland, Elbtalniederung, Mündungen der Schwarzen Elster und Saale in Sachsen-Anhalt
Größe: 1260 km²
Landschaften: Altwasser, Auwälder, Binnendunen, Feuchtgrünland, Flusstaler, historische Kulturlandschaften

Das Gebiet

Das Biosphärenreservat Mittelelbe gehört schon seit nunmehr 40  Jahren zum weltweiten Netz der Biosphärenreservate. Nicht der einzige, aber ein wichtiger Grund hierfür ist ein überaus sympathisches Tier, das jedes Kind kennt: der Biber, genauer der Elbebiber. Ungefähr 1.200 davon gibt es im Biosphärenreservat heute und das ist fast ein Wunder, denn um 1920 gab es nur noch ganz wenige Individuen. Auch wenn sich der Bestand wieder gut erholt hat, ist der Elbebiber weiterhin eine streng geschützte Art gemäß Bundesnaturschutzgesetz. Der Biber hat seine Heimat in einer Region, die die bedeutendsten Hartholzauenwälder in Mitteleuropa hat. Die Aue und ihre natürlich geformten und gewachsenen Strukturen sind ein nicht zu ersetzender Lebensraum für eine Vielzahl an Säugetierarten, Wasservögeln und Insekten. Auch Obstgehölze, Stromtalpflanzen (z. B. Brenndolde, Blauweiderich) und seltene Orchideenarten finden sich in der Flusslandschaft.

Das Biosphärenreservat Mittelelbe ist eine bewirtschaftete Kulturlandschaft, von Menschen geprägt, gestaltet, genutzt und verändert und das in sehr besonderer Form und schon seit langer Zeit: Während der Regentschaft von Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau (1740 – 1817) entstand in der Elbaue zwischen Dessau und Wörlitz eine Kulturlandschaft nach dem Vorbild englischer Landschaftsgärten. Diese Anlagen standen nach dem Leitmotiv der Aufklarung jedermann offen. Sie sollten „das Schöne mit dem Nützlichen verbinden“. Die Obstbaumalleen, Solitärbäume, Deichanlagen, Schlösser, Landschaftsparks und Kleinarchitektur sind als Gesamtkunstwerk bis heute erhalten.

Weitere zwei Weltkulturerbestätten, darunter das Dessauer Bauhaus, zeigen großartige Kulturleistungen vergangener Jahrhunderte. Auch das tausendjährige Tangermünde, die Dom- und Kaiserstadt Magdeburg und das einzigartige Kloster Jerichow sind herausragende Orte menschlichen Wirkens im Gebiet. Das Gartenreich Dessau-Wörlitz ist seit dem Jahr 2000 UNESCO-Weltkulturerbe der Menschheit.

 

Naturschutz

Naturschutzgroßprojekt Mittlere Elbe

Ein Gemeinschaftsprojekt von Bund, dem Land Sachsen-Anhalt und WWF Deutschland. Der WWF Deutschland betreute als Projektträger von 2001 bis 2018 das Naturschutzgroßprojekt. Hierbei wird die Entwicklung, Sicherung und Renaturierung eines durchgehenden Verbundes echter, überflutbarer Auenwälder im Bereich Steckby-Lödderitzer Forst durch Deichrückverlegung angestrebt.

Naturschutzgroßprojekt Untere Havel
Durch Renaturierungsmaßnahmen soll die Untere Havel wieder ein intakter Fluss mit sauberem Wasser und besserem Wasserrückhalt werden. Die Maßnahmen stellen auch einen Beitrag zur Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie und des Netzwerkes Natura 2000 dar. Träger des Projektes ist der NABU Deutschland, gemeinsam mit dem Bund und den Ländern Brandenburg und Sachsen-Anhalt.

 

Besucherinformationen

Tourismusinformation

Magdeburger Tourismusverband Elbe-Börde-Heide e. V.
Tel. 0391 738790, Fax 730799
www.elbe-boerde-heide.de

Tourismusverband WelterbeRegion Anhalt-Dessau-Wittenberg e. V.
Tel.: 03491 402610
www.anhalt-dessau-wittenberg.de

 

Besucher- und Informationszentren

Informationszentren des Biosphärenreservates Mittelelbe

  1. Auenhaus, Am Kapenschlösschen 3, 06785 Oranienbaum-Wörlitz, Tel. 03490440631
  2. Haus der Flüsse, Elbstraße 2, 39539 Havelberg, Tel.039387609976
  3. Informationsstelle Magdeburg, Wissenschaftshafen, Werner-Heisenberg-Straße 45, 39106 Magdeburg

 

Aktiv vor Ort

Ein Tag vor Ort

Zuerst das Schloss und dann die Biber

Vormittags Besuch im Wörlitzer Park. Man erfährt, wie im Gartenreich Dessau-Wörlitz früher wie heute „das Schone mit dem Nützlichen“ verbunden wird. Dann gepflegtes Mittagessen im „Küchengebäude“ des Schlosses in Wörlitz.

Anschließend Besuch der einzigartigen Biberfreianlage und des Informationszentrums Auenhaus der Biosphärenreservatsverwaltung. In den Außenanlagen und in dem nach historischem Vorbild angelegten Bauerngarten sind im Sommer zahlreiche Schmetterlinge und Libellen zu bestaunen.

 

Eine Woche vor Ort

Auf Luthers Spuren und Besuch beim Fischer

Montag: Wittenberg, kultureller und kulinarischer Spaziergang auf Luthers Spuren durch die Wittenberger Innenstadt, nachmittags Weiterfahrt nach Wörlitz und Besuch des Wörlitzer Parks.

Dienstag: Stadt Dessau-Roßlau: Besichtigung der Welterbestätten Park Luisium und Park Georgium in Dessau. Besuch des Bauhauses und der Meisterhäuser in Dessau. Abendlicher Restaurant- oder Theaterbesuch in Dessau.

Mittwoch: Kapenniederung: Besuch des Auenhauses und der Biberfreianlage auf dem Gelände der Biosphärenreservatsverwaltung Mittelelbe. Nachmittags Auwald-Wanderung mit der Naturwacht rund um Lödderitz.

Donnerstag: Mit dem Fahrgastschiff nach Magdeburg. Radpartie zur Trogbrücke am Wasserstraßenkreuz. Weiterfahrt nach Tangermünde.

Freitag: Besichtigung der historischen Altstadt von Tangermünde, nachmittags Wanderung auf dem Naturpfad im Naturschutzgebiet „Bucher Brack – Bölsdorfer Haken“.

Samstag: Nach Havelberg zum Haus der Flüsse, abends Orgelkonzert im Havelberger Dom.

Sonntag: Bootsfahrt auf der Havel, Elbebiber beobachten. Besuch beim Fischer. Zum Abendessen

 

Barrierefrei besuchen

Für blinde und sehbehinderte Besucher ist nahe dem Auenhaus ein Blindenlehrpfad eingerichtet worden. Er ermöglicht überraschende Sinneseindrücke der umgebenden Natur durch Hören und Tasten. Zu erspüren gibt es z. B. Tierfährten und eine Spechthöhle. Holzbücher in Brailleschrift informieren über die Besonderheiten des Gebietes. Beide Informationszentren, in Oranienbaum  und Havelberg  sind barrierefrei erreichbar und behindertengerecht ausgestattet.

Anreise

Mit der Bahn:
über Glöwen, Stendal, Magdeburg, Dessau-Roßlau und Wittenberg

Mit dem Auto:
über die B 107, A 9 und A 2

Kontakt

Biosphärenreservat Mittelelbe
Kapenmühle, PF 1382
06813 Dessau-Roßlau