Biosphärenreservate in Deutschland

Im Biosphärenreservat Mittelelbe befinden sich die größten zusammenhängenden Hartholzauenwälder Mitteleuropas. Die Auenlandschaft dient als großes Überflutungsgebiet bei Hochwasser. Sie bietet Pflanzen und Tieren, die an die wechselnden Wasserstände angepasst sind, wertvollen Lebensraum. Das „Wappentier“ des Biosphärenreservats Mittelelbe ist der Elbebiber. Hier findet die einst vom Aussterben bedrohte Art wieder optimale Lebensbedingungen. Zahlreiche Biber konnten sogar in andere Gebiete Europas zur Neuansiedlung abgegeben werden. Auch seltene Vogelarten wie Kranich, Seeadler und Schwarzstorch haben hier ein Refugium, Zugvögel ange¬stammte Rastplätze.

Gründungsjahr: 1979
Geographische Lage: Elbe-Mulde-Tiefland, Elbtalniederung
Größe: 1260 km²
Landschaften: Altwasser, Auwälder, Binnendunen, Feuchtgrünland, Flusstaler, historische Kulturlandschaften

Das Gebiet

Das Biosphärenreservat Mittelelbe gehört schon seit über 30 Jahren zum weltweiten Netz der Biosphärenreservate. Nicht der einzige, aber ein wichtiger Grund hierfür ist ein überaus sympathisches Tier, das jedes Kind kennt: der Biber, genauer der Elbebiber. Ungefähr 1.200 davon gibt es im Biosphärenreservat heute und das ist fast ein Wunder, denn um 1920 gab es nur noch ganz wenige, kaum zahlbare Individuen. Auch wenn sich der Bestand wieder gut erholt hat, ist der Elbebiber weiterhin eine streng geschützte Art gemäß Bundesnaturschutzgesetz. Der Biber hat seine Heimat in einer Region, die die bedeutendsten Hartholzauenwälder in Mitteleuropa hat. Die Aue und ihre natürlich geformten und gewachsenen Strukturen sind ein nicht zu ersetzender Lebensraum für eine Vielzahl an Säugetierarten, Wasservogeln und Insekten. Auch Obstgeholze, Stromtalpflanzen (z. B. Brenndolde, Blauweiderich) und seltene Orchideenarten finden sich in der Flusslandschaft.

Das Biosphärenreservat Mittelelbe ist eine bewirtschaftete Kulturlandschaft, von Menschen geprägt, gestaltet, genutzt und verändert und das in sehr besonderer Form und schon seit langer Zeit: Während der Regentschaft von Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau (1740 – 1817) entstand in der Elbaue zwischen Dessau und Wörlitz eine Kulturlandschaft nach dem Vorbild englischer Landschaftsgarten. Diese Anlagen standen nach dem Leitmotiv der Aufklarung jedermann offen. Sie sollten „das Schone mit dem Nützlichen verbinden“. Die Obstbaumalleen, Solitärbäume, Deichanlagen, Schlosser, Landschaftsparks und Kleinarchitektur sind als Gesamtkunstwerk bis heute erhalten.

Weitere zwei Weltkulturerbestätten, darunter das Dessauer Bauhaus, zeigen großartige Kulturleistungen vergangener Jahrhunderte. Auch das tausendjährige Tangermünde, die Dom- und Kaiserstadt Magdeburg und das einzigartige Kloster Jerichow sind herausragende Orte menschlichen Wirkens im Gebiet. Das Gartenreich Dessau-Wörlitz ist seit dem Jahr 2000 UNESCO-Weltkulturerbe der Menschheit.

Naturschutz

Naturschutzgroßprojekt Mittlere Elbe

Ein Gemeinschaftsprojekt von Bund, Land Sachsen-Anhalt und WWF Deutschland. Der WWF Deutschland betreut als Projektträger von 2001 bis 2018 das Naturschutzgroßprojekt. Hierbei wird die Entwicklung, Sicherung und Renaturierung eines durchgehenden Verbundes echter, überflutbarer Auenwälder im Bereich Steckby- Lödderitzer Forst durch Deichrückverlegung angestrebt.

Naturschutzgroßprojekt Untere Havel

Durch Renaturierungsmaßnahmen soll die Untere Havel wieder ein intakter Fluss mit sauberem Wasser und besserem Wasserrückhalt werden. Die Maßnahmen stellen auch einen Beitrag zur Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie und des Netzwerkes Natura 2000 dar. Träger des Projektes ist der NABU Deutschland, gemeinsam mit dem Bund und den Länder Brandenburg und Sachsen-Anhalt

Besucherinformationen

Tourismusinformation

WelterbeRegion Anhalt-Dessau-Wittenberg e.V.
Tel.: 03491 402610
Fax: 405857
www.anhalt-dessau-wittenberg.de

Magdeburger Tourismusverband Elbe-Börde-Heide e. V.
Tel.: 0391 738790
Fax: 738799
www.elbe-boerde-heide.de

Tourismusverband Altmark e.V.
Tel.: 039322 346-0
Fax: 43233
www.altmarktourismus.de

Besucher- und Informationszentren

Auenhaus
Am Kapenschlösschen 3
06785 Oranienbaum-Wörlitz
Tel.: 03490440631
www.mittelelbe.com

Haus der Flüsse – Natura 2000-Informationszentrum
Elbstraße 2
39539 Havelberg
Tel.: 039387609976
www.haus-der-fluesse.de

Aktiv vor Ort

Ein Tag vor Ort

Vormittags Besuch im Wörlitzer Park. Man erfährt, wie im Gartenreich Dessau-Wörlitz früher wie heute „das Schone mit dem Nützlichen“ verbunden wird. Dann gepflegtes Mittagessen im „Küchengebäude“ des Schlosses in Wörlitz.

Anschließend Besuch der einzigartigen Biberfreianlage und des Informationszentrums Auenhaus der Biosphärenreservatsverwaltung. In den Außenanlagen und in dem nach historischem Vorbild angelegten Bauerngarten sind im Sommer zahlreiche Schmetterlinge und Libellen zu bestaunen.

Eine Woche vor Ort

Montag:
Wittenberg, kultureller und kulinarischer Spaziergang auf Luthers Spuren durch die Wittenberger Innenstadt, nachmittags Weiterfahrt nach Wörlitz und Besuch des Wörlitzer Parks.

Dienstag:
Stadt Dessau-Roslau: Besichtigung der Welterbestätten Park Luisium und Park Georgium in Dessau. Besuch des Bauhauses und der Meisterhäuser in Dessau. Abendlicher Restaurant- oder Theaterbesuch in Dessau.

Mittwoch:
Kapenniederung: Besuch des Auenhauses und der Biberfreianlage auf dem Gelände der Biosphärenreservatsverwaltung Mittelelbe. Nachmittags Auwald-Wanderung mit der Naturwacht rund um Lödderitz.

Donnerstag:
Mit dem Fahrgastschiff nach Magdeburg. Radpartie zur Trogbrücke am Wasserstraßenkreuz. Weiterfahrt nach Tangermünde.

Freitag:
Besichtigung der historischen Altstadt von Tangermünde, nachmittags Wanderung auf dem Naturpfad im Naturschutzgebiet „Bucher Brack – Bolsdorfer Haken“.

Samstag:
Nach Havelberg zum Haus der Flüsse, abends Orgelkonzert im Havelberger Dom.

Sonntag:
Bootsfahrt auf der Havel, Elbebiber beobachten. Besuch beim Fischer. Zum Abendessen Havelzander.

Barrierefrei besuchen

Für blinde und sehbehinderte Besucher ist nahe dem Auenhaus ein Blindenlehrpfad eingerichtet worden. Er ermöglicht überraschende Sinneseindrücke der umgebenden Natur durch Hören und Tasten. Zu erspüren gibt es z. B. Tierfährten und eine Spechthöhle. Holzbücher in Brailleschrift informieren über die Besonderheiten des Gebietes. Beide Informationszentren sind barrierefrei erreichbar und behindertengerecht ausgestattet.

Anreise

Mit der Bahn:
über Glöwen, Stendal, Magdeburg, Dessau-Roßlau und Wittenberg

Mit dem Auto:
über die B 107, A 9 und A 2

Kontakt

Biosphärenreservat Mittelelbe
Kapenmühle, PF 1382
06813 Dessau-Roßlau