Biosphärenreservate in Deutschland

Grüner Wald, Abgeschiedenheit auf höchster Höhe, blühende Bergwiesen, von einem dichten Netz kristallklarer Bergbäche durchzogen. In den schmalen Tälern des Biosphärenreservats Thüringer Wald dehnen sich die idyllisch anmutenden Dörfer mit ihren schiefergedeckten Häusern oft über Kilometer aus. Auch alte Handwerke, wie die Köhlerei und die Glasbläserei, sind lebendig und der „Herzschlag“ der Region.

Gründungsjahr: 1939
Geographische Lage: 50 Kilometer südlich von Erfurt im mittleren Teil des Thüringer Waldes
Größe: 330 km²
Landschaften: Bergbäche, Bergmischwälder, Bergwiesen, Hochmoore

Das Gebiet

In den Wäldern trommelt der Schwarzspecht, zieht der Sperlingskauz seine Jungen auf und verbirgt sich die scheue Waldschnepfe. Der Rothirsch ist der König der Wälder. Das Biosphärenreservat ist ein geschlossenes Waldgebiet, das von Wiesen aufgelockert wird.

Die Bergwiesen begeistern mit verschiedenfarbigen Blühphasen vom Frühjahr bis in den Herbst. Goldgelb leuchten auf ihnen die Blüten der Arnika, einer bekannten Heilpflanze. Bärwurz, Johanniskraut und Waldstorchschnabel sowie zahlreiche Krauter verleihen den Wiesen ihren charakteristischen aromatischen Duft. Gelegentlich steigt eine Bekassine aus der Wiese auf und man kann ihr „Meckern“ beim Singflug hören.

In den Mooren, die sich seit der letzten Eiszeit in den Kammlagen des Thüringer Waldes gebildet haben, wachsen Sonnentau, eine Insekten fressende Pflanze, und die zierliche Rosmarinheide. Zahlreiche Bache durchziehen die Wälder und Wiesen des Biosphärenreservats. Sie sind klar und voller Leben. In den oberen Bachlaufen laicht der Feuersalamander. In dem kühlen Wasser wachsen seine Larven ungestört heran. Bachabwärts kann man die rot getupfte Bachforelle in ruhigen Stellen bei der Jagd auf Wasserinsekten beobachten. Hier lebt auch die Wasseramsel, der einzige Singvogel, der unter Wasser schwimmend Nahrung sucht.

Das Biosphärenreservat hat immer Saison – das ganze Jahr über kommen Wanderer in den Thüringer Wald. Besonders der Rennsteig lockt. Dieser Höhenwanderweg des Thüringer Waldes verläuft quer durch das Biosphärenreservat. Im Winter nutzen viele Skiläufer die zahlreichen Skiwanderwege und Abfahrtsstrecken.

Naturschutz

Modellprojekte zur Renaturierung der Bäche

Im Biosphärenreservat werden Möglichkeiten erforscht und in der Praxis erprobt, um die Durchgängigkeit der Fließgewässer wieder herzustellen – Renaturierungsmaßnahmen im Rahmen der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie.

Bei diesen Projekten arbeitet die Verwaltung des Biosphärenreservats mit Universitäten, Behörden, Unternehmen und natürlich mit Verbänden aus der Region zusammen. Bisher wurden fast 1000 künstliche Gewässerveränderungen an Bachläufen erfasst und bewertet, um die Notwendigkeit von Rückbauten beurteilen zu können. An einigen Abschnitten wurde die Durchgängigkeit der Bäche bereits wieder hergestellt.

Eine gelungene Renaturierung von Waldfließgewässern fand in den Quellbereichen und Bachoberläufen statt.

Sie unterlagen in der Vergangenheit negativen Einflüssen. Eine zu dichte Bewaldung, mit der Folge der Verdunklung, und die Ausräumung der Bäche veränderten den Lebensraum. Die Artenvielfalt der Mittelgebirgsbäche ging drastisch zurück. Auch der Feuersalamander als Leitart der Waldfließgewässer verschwand fast gänzlich. Durch die Verbesserung des ökologischen Zustandes der gewässernahen Lebensräume, wie die Auflichtung der Wälder und die Erhöhung des Strukturreichtums der Bäche, kehrt sich dieser Prozess langsam wieder um.

Moorrevitalisierung

Im Thüringer Wald wurden die Moore schon seit dem 18. Jahrhundert als Rohstofflieferant genutzt. Um den Torf stechen zu können, wurden Gräben angelegt und das Wasser abgeleitet. Dadurch kam es zu Bodenverdichtungen mit verheerenden Folgen: Die Moore konnten weniger Wasser speichern und hochspezialisierte Moorarten gingen verloren.

Entscheidend für eine erneute Bildung der Torfsubstanz ist die Stabilisierung des Wasserhaushaltes: Die Moore müssen wieder vernässt werden. Kombiniert werden die wasserbaulichen Maßnahmen mit der vollständigen bzw. teilweisen Entfernung von Baumbewuchs auf den Moorflächen zur Reduzierung des Wasserentzugs und Waldumbaumaßnahmen in deren Einzugsgebiet.

Besucherinformationen

Tourismusinformation

Regionalverbund Thüringer Wald e. V.
Tel.: 03682 47769-0
www.thueringer-wald.com

Besucher- und Informationszentren

Informationszentrum Biosphärenreservat Thüringer Wald
Brunnenstraße 1
98711 Schmiedefeld a.R.
Tel.: 036782 / 666 22
informationszentrum.schmiedefeld@nnl.thueringen.de

Aktiv vor Ort

Ein Tag vor Ort


Urwüchsige Bergfichten und gesunde Waldluft
Ganztägige Wanderung in die weitgehend unberührte Natur des Vessertals: Start im Ort Vesser, unterer Ortsausgang, talwärts entlang der Vesser, einem naturnahen Bach. Umgeben von urwüchsigen Bergfichten, üppigen Farnen und gesunder Waldluft. Nach ca. zwei Kilometern dem einmündenden Glasbach bergauf folgend zur Stutenhauswiese, wo einst Pferde der Klosterdomäne Veßra standen. Weiter führt der Weg ins Obere Vessertal mit seinen bunten Wiesen. Nachmittags zurück nach Vesser zu einem Besuch der Fachwerkkirche.

„Diese Wiesen sind es, welche den Waldgegenden in ihrer Abwechslung mit der Holzung einen ganz eigentümlichen Reiz gewähren und in dem bunten, durch das üppige Grün dem Auge zugleich wohltätigen Teppich, welchen sie vor dem Wanderer ausbreiten, das Reisen in den Waldgründen zu der angenehmsten Unterhaltung machen.“, aus

„Der Thüringer Wald – Besonders für Reisende geschildert“ von K. E.A. von Hoff und C.W. Jacobs, Gotha 1807.

Eine Woche vor Ort


Waldbilder, Wiesen und der Rennsteiggarten
Montag:
Rundwanderung vom Oberhofer Parkplatz Löffelbrunn über den Hohen und Ausgebrannten Stein zum Oberen Sieglitzteich, nachmittags Besuch des Rennsteiggartens

Dienstag:
Bergwiesen erleben – Wanderung von Breitenbach (St. Kilian) ins Roßbachtal, über Kreuzeiche ins Breitenbachtal, nachmittags Besuch des Museums Bertholdsburg Schleusingen Mittwoch: Rundwanderung durch „bezaubernde Waldbilder“ in Stützerbach, vom Wanderparkplatz Auerhahn zum Knöpfelstaler Teich, Finsteres Loch und zurück zum Auerhahn

Donnerstag:
Wanderung in der Gießübler oder Fehrenbacher Schweiz, Besuch des Gewürzmuseums Schönbrunn oder der Rennsteigwarte bei Masserberg mit Aussichten vom Thüringer Wald bis zur Rhön

Freitag:
Besuch des GoetheStadtMuseums in Ilmenau, anschließend Besuch des Schaubergwerks „Volle Rose“

Samstag:
Tagestour auf dem Mylius-Weg mit Start in Großbreitenbach, Besuch des Thüringer Wald-Kreativ-Museums in Großbreitenbach

Sonntag:
Wanderung vom Bahnhof Rennsteig nach Schmiedefeld a.R., Besuch des Informationszentrums Biosphärenreservat Thüringer Wald

Barrierefrei besuchen

Der „Leitweg“ bei Manebach ist ein behindertengerechter Wanderweg. Er ist mit dem Rollstuhl befahrbar. Er beginnt am Parkplatz am Schöffenhaus, Schöffenhausstraße 100, D-98693 Manebach. Er führt unterhalb des Schöffenhauses an der Manebachswand entlang. Alternativ kann am Lärcheneck (Parkplatz) gestartet werden. Der Weg führt dann über Mittlerer Berggrabenweg, Sturmheide bis nach Manebach.

Anreise

Mit der Bahn:
aus Richtung Erfurt nach Ilmenau, Gehlberg, Oberhof oder Suhl. Aus Richtung Schweinfurt nach Suhl, Oberhof oder Gehlberg. Weiter ins Gebiet mit dem Bus.

Mit dem Bus:
aus Ilmenau, Hildburghausen, Gehlberg, Oberhof oder Suhl weiter ins Gebiet in Richtung Schmiedefeld oder Rennsteig.

Mit dem Auto:
A 71 bis Ilmenau, Oberhof oder Suhl, A 73 bis Schleusingen oder Suhl. Weiter ins Gebiet in Richtung Schmiedefeld oder Rennsteig.

Weitere Informationen:
www.rennsteigbus.de
www.rennsteigshuttle.de

Kontakt

Biosphärenreservat Thüringer Wald
Brunnenstraße 1
98711 Schmiedefeld am Rennsteig
Tel.: 0361 / 573 924 6-10
Fax: 0361 / 573 924 6-29