Biosphärenreservat Mittelelbe

Hochwasserereignisse stellen im jahreszeitlichen, meteorologisch-hydrologischen Gang völlig normale Ereignisse in einem Fließgewässer dar. Die dadurch hervorgerufene Dynamik stellen die Grundlage für alle am Fließgewässer vorhandenen Lebensraumtypen und Lebensgemeinschaften dar. Im menschlichen Sinne werden Hochwässer im Regelfall allerdings als etwas „unnormales“ oder gar „unnatürliches“ aufgefasst oder zumindest als störend empfunden. Daraus erwächst auch der häufig verwendete Begriff einer Naturkatastrophe, obwohl die Natur in Verbindung mit Hochwässern eigentlich keine Katastrophe kennt. Die Hochwasser an der Elbe treten oft durch intensiven Regen oder intensive Schneeschmelze auf.

Weltkultur an wilden Ufern

Das Biosphärenreservat Mittelelbe ist Bestandteil des länderübergreifenden Biosphärenreservates Flusslandschaft Elbe. Den Ursprung bildet das bereits 1979 als Biosphärenreservat anerkannte Naturschutzgebiet Steckby-Lödderitzer Forst. Zusätzlich wurde das Gartenreich Dessau-Wörlitz, welches im Biosphärenreservat liegt, 2000 als Welterbe von der UNESCO anerkannt.

Die einzigartige Naturbelassenheit und Biotopvielfalt der Elbtallandschaft ist Lebensstätte zahlreicher Pflanzen und Tiere, darunter vieler bedrohter Arten. Der Elbebiber, Symboltier des Biosphärenreservates, fand hier vor Jahren sein letztes Rückzugsgebiet. Heute besiedelt er wieder viele Gewässer im Biosphärenreservat. In der Biberfreianlage kann man einen Einblick in die Lebensweise der scheuen und nachtaktiven Tiere erhalten.

Das Auenhaus bietet den Besuchern zahlreiche Informationen über das Biosphärenreservat. Die größten zusammenhängenden Hartholzauenwälder Mitteleuropas befinden sich im Biosphärenreservat. Diese Landschaft zeigt dem Besucher neben der vielfältigen Natur bedeutende historische Parkanlagen, wie die Wörlitzer Anlagen, Luisium, Georgium und Kühnauer Park:

  • größte, zusammenhängend erhaltene Auenwaldgebiete in Mitteleuropa
  • Hauptverbreitungsgebiet des Elbebibers in Mitteleuropa
  • Weltkulturerbe Gartenreich Dessau-Wörlitz

Daten & Fakten

Gründungsjahr: 1979

Größe: 125.000 ha

Geographische Lage: Stromabschnitt der mittleren Elbe zwischen dem Raum Wittenberg im Osten, der unteren Mulde und dem Mündungsgebiet der Saale bis an die Landesgrenze zu Niedersachsen

Landschaften: Naturraum Elbtalaue (einschl. geringer Anteil Muldeaue und Saaleaue): ausgedehntester Auwaldkomplex Mitteleuropas (v.a. Hartholzaue) zahlreiche Altwasser, einzelne Talsandflächen und Dünen, Dessau-Wörlitzer Kulturlandschaft mit typischen Solitäreichenwiesen, landwirtschaftliche Nutzung außendeichs überwiegend Grünland, innendeichs Acker

Der Elbebiber – dem Aussterben nahe gewesen – fand nach dem zweiten Weltkrieg hier sein letztes Rückzugsgebiet. Der Bestand konnte sich inzwischen auf etwa 1200 Tiere im Biosphärenreservat erholen. © Peter Ibe