Biosphärenreservat Südost-Rügen

Kultur, Landschaft, Meer und mehr

Der Hafen Thiessow ist ein alter Fischereihafen und liegt im südlichsten Ort der Halbinsel Mönchgut. 1360 urkundlich erwähnt, bedeutet „Tisowe“ aus dem Slawischen übersetzt Eibenort. Nach dem Dreißigjährigen Krieg kam es zu ersten Fischeransiedlungen. Zu DDR-Zeiten war der Hafen Standort der Fischereiproduktionsgenossenschaft (FPG) „Leuchtfeuer“. 2002 wurde die Hafensanierung abgeschlossen. Heute wird der Hafen von 15 aktiven Fischern genutzt. Die Direktvermarktung und Fischverarbeitung finden vor Ort statt. © Christine Kleimeier

Das Biosphärenreservat Südost-Rügen wurde 1990 gegründet und 1991 mit der Anerkennung durch die UNESCO in das Weltnetz des MaB-Programms aufgenommen. Es liegt im Südosten der Ostseeinsel Rügen.

Mit ihm wurde ein repräsentativer Landschaftsausschnitt des nordostdeutschen Tieflandes unter Schutz gestellt, der auf kleinstem Raum alle Landschafts- und Küstenformen des mecklenburg-vorpommerschen Küstenraumes widerspiegelt. Land und Meer sind tief ineinander verzahnt. Halbinseln und Küstenvorsprünge werden einerseits durch schmale Landstreifen miteinander verbunden, andererseits durch Bodden und Wieken voneinander getrennt. Feinsandige, breite Sandstrände an der Ostseeküste wechseln mit schroffen Steilküsten, an deren Klifffüßen imposante Blockstrände entstanden sind. Boddenseitig werden die Ufer meistens von breiten Schilfgürteln gesäumt. Ausgedehnte Buchenwälder oder Magerrasen prägen Endmoränenstandorte, Wiesen und Weiden die nacheiszeitlich entstandenen Niederungen. So groß wie die natürliche ist auch die kulturelle Vielfalt.

Die Zeugnisse menschlicher Siedlung und Kultur reichen von den Großsteingräbern der Jungsteinzeit über die bronzezeitlichen Hügelgräber, die slawischen Burgwälle, die mittelalterlichen Kirchen und Dorfstrukturen, den Klassizismus und die Bäderarchitektur bis in die Moderne. Hervorzuheben ist das Erbe des Fürsten Wilhelm Malte I. zu Putbus, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit seiner Residenzstadt Putbus einen Höhepunkt des norddeutschen Schinkel-Klassizismus schuf und weite Teile der Rügenschen Landschaft mit einer Kombination aus hohem ästhetischem Anspruch und wirtschaftlichem Aufschwung zu einem Vorläufer des heutigen Biosphärenreservats machte.

Zu den Wahrzeichen des Biosphärenreservats gehört auch die Rügensche Kleinbahn „Rasender Roland“ als traditionsreiches Verkehrsmittel und Kulturdenkmal.

Landwirtschaft und Fischerei waren über Jahrtausende die tragenden Säulen von Wirtschaft und Kultur. Seit gut 100 Jahren hat sich der Tourismus zur wichtigsten Einnahmequelle entwickelt.

Das Pfarrwitwenhaus in Groß Zicker wurde um 1720 erbaut und ist eines der ältesten noch erhaltenen Häuser auf Rügen. Es handelt sich um ein niederdeutsches Hallenhaus mit auffälligem spitzem Rohrdach, dem „Zuckerhut“. Charakteristisch sind die verwendeten Baumaterialien wie Holz und Lehm. Das Pfarrwitwenhaus war eine soziale Einrichtung: Nach dem Ableben eines Pfarrers erhielten die mittellosen Witwen hier Unterkunft und alles zum Lebensunterhalt Notwendige. Heute wird das Haus als Begegnungsstätte, Museum und Galerie genutzt mit zahlreichen Ausstellungen, insbesondere der bildenden Kunst, sowie literarische Veranstaltungen. Im Vorgarten des Gebäudes vollendet ein typischer Bauerngarten mit auf Mönchgut beheimateten Blumen und Naturpflanzen die malerische Kulisse. © Ullrich Dahl

Daten & Fakten

Gründungsjahr: 1991

Größe: 22.900 ha

Geographische Lage: südöstliches Rügen mit Teilgebieten Granitz, Mönchgut, Umgebung von Putbus, Insel Vilm, nördlicher Teil des Rügischen Boddens

Landschaften: Küstenlandschaft mit langen Sandstränden, tief eingeschnittenen Bodden, Steilküsten, Trockenrasen, Salzweiden, Buchenwäldern, Äckern und Weiden

Vilmnitz ist ein Ortsteil der Stadt Putbus, die ehemals eine fürstliche Residenzstadt war. De Kirche St. Maria Magdalena zu Vilmnitz ist eine spätromanisch/gotische Backsteinkirche und erstmals 1249 urkundlich erwähnt. Der älteste Teil der Vilmnitzer Kirche ist der Ostchor mit der Sakristei, die noch deutliche romanische Elemente aufweist. Die Landschaft um die Stadt Putbus ist seit Jahrhunderten durch landwirtschaftliche Nutzung geprägt. Große Schläge herrschen vor, die zu DDR-Zeiten durch LPGs und heute durch sog. „LPG-Nachfolger“ bewirtschaftet werden. Eine Besonderheit ist die kleinbäuerliche Bewirtschaftung mit einer zumindest auf Äckern als reich zu bezeichnenden Flora. Quelle: Bildarchiv des Amtes für das Biosphärenreservat Südost-Rügen ©Stefan Woidig