Biosphärenreservat Thüringer Wald

Waldesluft und Blütenduft

Thüringer Wald – weithin bekanntes Wandergebiet Seit über einhundert Jahren wird der Thüringer Wald bereist. Zu Fuß auf dem Rennsteig entlang oder abseits auf stillen Waldwegen. Zahlreiche Ausblicke gestatten Einblicke in das Wesen dieses bezaubernden Mittelgebirges im Grünen Herzen Deutschlands. © Matthias Hellner

Stille. Zuerst ist nur Stille im Wald. Allmählich dringt sanftes Rauschen der Bäume ans Ohr. Leises Plätschern eines Baches ist zu hören, Vogelrufe und Insektensummen gesellen sich dazu. Weite Wälder bestimmen das Landschaftsbild in den Bergen. Darin, wie lichte Inseln eingelassen, die bunten Bergwiesen. Kleine Waldsiedlungen an alten Handelswegen – ein Stück Beschaulichkeit im Thüringer Wald. Der Rennsteig, bekannter Höhenwanderweg, folgt der Kammlinie mehr als einhundertsechzig Kilometer: über den höchsten Berg Thüringens, an geschützten Hochmooren vorbei, zu ergreifenden Panoramablicken über das Thüringer Land. Und immer wieder durch stille, weite Wälder.

Diese Landschaft ist seit 1979 UNESCO-Biosphärenreservat. Nachhaltige Waldbewirtschaftung, pflegliche Nutzung der artenreichen Bergwiesen, Schutz der Moore, Erhalt einer traditionsreichen Kultur und eine zukunftsfähige Regionalentwicklung sind die wichtigsten Aufgaben. Forschung und Umweltbeobachtung, Umweltbildung und Besucherinformation, touristische Angebote und Naturschutzmaßnahmen kommen dazu. Das Biosphärenreservat umfasst einen charakteristischen Ausschnitt aus dem Thüringer Wald und vertritt damit die deutschen Mittelgebirge im Weltnetz der Biosphärenreservate.
In dieser Modellregion werden beispielhafte Projekte für die Verknüpfung von öffentlichem Personennahverkehr und Tourismusangeboten, für die Pflege von Bergwiesen und für die Revitalisierung von Hochmooren umgesetzt. Natur und Kultur liegen nahe beieinander im Gebiet zwischen Suhl, Ilmenau und Schleusingen. Ein gut ausgeschildertes Wege- und Loipennetz, viele Möglichkeiten der Einkehr, Erlebnisangebote für Familien und Natur pur sind Markenzeichen des Thüringer Waldes.
Ob im Herbst zur Hirschbrunft oder im Sommer zur Bergwiesenblüte, ob zum erholsamen Skilanglauf oder zum größten Crosslauf Europas – das Biosphärenreservat hat immer Saison. Und weite stille Wälder. „Über allen Wipfeln ist Ruh“ sinnierte einst Goethe. Folgen Sie doch seinen Spuren …

Das Vessertal: Das Naturschutzgebiet im Tal der Vesser ist die Keimzelle des Biosphärenreservats. Zwischen Breitenbach und Vesser gelegen, war es schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts Exkursionsziel für den botanischen und geologischen Unterricht. Zahlreiche Untersuchungen zur Tier- und Pflanzenwelt belegen die wohl einmalige Naturausstattung. Hier wird auch zur Waldentwicklung in der Kernzone (nutzungsfrei) geforscht. © Jörg Fritz

Daten & Fakten

Gründungsjahr: 1979

Größe: 17.028 ha

Geographische Lage: Mittlerer Thüringer Wald zwischen Ilmenau, Schleusingen und Suhl

Landschaften: zentraleuropäische Mittelgebirgsschwelle mit der naturräumlichen Einheit mittlerer Thüringer Wald Ökosysteme: Wälder (14960 ha), Moore (34 ha), Bergbäche, Berggrünland (1530 ha) auf silikatischem Grundgestein und bodensaueren Böden.

 

Biosphärenreservat international: Über 1200 Pflanzenarten, mehr als 2500 Tierarten und mehr als 50 Pilzarten wurden bisher im Gebiet nachgewiesen. Zum Erhalt dieser reichhaltigen Lebensräume sowie zum Schutz gefährdeter Tiere und Pflanzen ist das gesamte Biosphärenreservat EG-Vogelschutzgebiet (Spezial Protection Areas/SPA) und über der BR-Fläche EU-Schutzgebiet nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH). Nutznießer sind beispielsweise Schwarzspecht und Waldstorch, Bachneunauge und Bechsteinfledermaus. Und letztendlich der Mensch. © Bernd Friedrich