Naturpark Schlaubetal

Aussichtsturm am Naturlehrpfad in der Reicherskreuzer Heide zur Calluna-Blüte Ende August © T. Spitz

Das schönste Bachtal Ostbrandenburgs, nur etwa eine gute Autostunde südöstlich von Berlin gelegen, gibt dem Naturpark seinen Namen: das Schlaubetal. Auf ihrem 20 Kilometer langen Lauf liebt die Schlaube Abwechslung. Wie ein Mittelgebirgsbach windet sie sich zunächst durch ein Kerbtal mit steilen, bis zu 30 Meter hohen Schluchten, an deren Hängen naturnahe Traubeneichen- und Buchenmischwälder wachsen und zahlreiche Quellen entspringen. Im Unterlauf gibt sich die Schlaube als Wiesenbach, der sich durch eine Landschaft mit idyllisch gelegenen Seen, Teichen und unzähligen Mooren schlängelt. Im südlichen Teil des Naturparks hat eine jahrzehntelange Nutzung als Truppenübungsplatz ausgedehnte Heideflächen geschaffen. Diese trockenen und nährstoffarmen Sanderflächen sind im Mai von gelber Besenginsterblüte und im September von lilafarbener Heidekrautblüte bedeckt.

Die Vielgestaltigkeit der Landschaft hat eine Fülle unterschiedlichster Lebensräume hervorgebracht, die den Ansprüchen verschiedener, seltener und gefährdeter Arten gerecht werden. Allein 13 Tier- und Pflanzenarten kommen Brandenburg-weit nur noch im Naturpark Schlaubetal vor. Dazu gehören die Orchideenarten Frauenschuh und Korallenwurz sowie der Hochmoor-Perlmutterfalter. Neben 1.000 Pflanzenarten sind bis heute im Naturpark ca. 140 Brutvogelarten festgestellt worden. Fast drei Viertel der in Brandenburg nachgewiesenen Großschmetterlingsarten leben im Naturpark. Fischotter und mehrere Fledermausarten, See- und Fischadler, Eisvogel und Schwarzstorch bleiben dem aufmerksamen Beobachter nicht verborgen.

Der Hirschkäfer ist ein Charaktertier naturnaher Eichenwälder © St. Kalisch

Der Naturpark Schlaubetal gilt als der Naturpark des Wanderns mit einem gut ausgebauten Wanderwegenetz. Durch regionale und überregionale Radwanderwege ist das Gebiet auch für den Fahrradtourismus erschlossen. In der Reicherskreuzer Heide kann ein Naturlehrpfad mit Beobachtungsturm munitionsberäumt und gefahrlos beschritten werden. Im Findlingspark bei Henzendorf sind künstlerisch gestaltete Steine sowie ein geologischer Lehrpfad zu erkunden. Einst gab es viele, ab dem 15. Jahrhundert entstandene, Mühlen an Schlaube, Dorche und Oelse. Einige der erhalten gebliebenen laden heute als Gaststätten und zum Teil denkmalgeschützte Anziehungspunkte Besucher ein. Immer mehr Touristen und Ausflügler verbinden den Besuch des Zisterzienserklosters, der Klosterbrauerei oder des Barockgartens Neuzelle mit einem Naturerlebnis. Durch den Naturpark verläuft eine kulturhistorische Grenze: Während das Gebiet westlich der Schlaube zum Johanniterorden von Friedland in der Niederlausitz gehörte, herrschten östlich der Schlaube die Zisterziensermönchen von Neuzelle.

Daten & Fakten

Gründungsjahr: 1995

Größe: 22.700 ha

Geographische Lage: ca. 80 km südöstlich von Berlin, Land Brandenburg

Landschaften: Traubeneichen-Kiefernmischwälder und Buchenwälder, Erlenbruchwälder, Fließgewässer, Seen, Moore, Heide. Geländeausformung: flach bis hügelig. Der Naturpark ist landschaftlich geprägt durch seine Wald- und Heidelandschaften sowie durch seine eiszeitlich entstandenen Seen und Rinnengewässer. Die Hügelkette zwischen dem Oelse- und dem Schlaubetal bildet eine Hauptwasserscheide: das Wasser der Schlaube fließt über die Oder in die Ostsee und das der Oelse über Spree und Havel in die Nordsee.