2010 - Jahr der Biodiversität
„Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen…“ Grundgesetz, Artikel 20a
Die Generalversammlung der Vereinten Nationen (UNO) hat 2010 zum Internationalen Jahr der Biodiversität erklärt.
Im Dezember 2006 beschlossen, tat sie dies aus tiefer Besorgnis über die sozialen, ökonomischen, ökologischen und kulturellen Konsequenzen des Biopersitätsverlustes und mit der Hoffnung, dass die Staaten und anderen Akteure von dieser Gelegenheit profitieren würden, um das Bewusstsein für die Wichtigkeit der Biopersität zu stärken und lokale, regionale und internationale Aktionen durchzuführen.
Die Vertragsparteien der Biodiversitätskonvention hatten sich bis zum Jahr 2010 ehrgeizige Ziele gesetzt:
Am Weltgipfel der Vereinten Nationen in Rio trafen sich 1992 führende Politiker zu einer Konferenz über Umwelt und Entwicklung. Eines der unterzeichneten Abkommen war die Konvention über die biologische Vielfalt – die erste globale Vereinbarung für den Erhalt und die nachhaltige Nutzung der Biodiversität. Das Abkommen erlangte in kurzer Zeit breite Akzeptanz. Mehr als 150 Regierungen unterzeichneten das Dokument noch vor Ort, inzwischen zählen mehr als 180 Länder zu den Vertragsstaaten. Die Konvention trat am 29. Dezember 1993 in Kraft.
Die drei Hauptziele der Konvention sind:
- die Biodiversität zu erhalten;
- die Nutzung der Bestandteile der Biodiversität nachhaltig zu gestalten;
- Vorteile und Gewinne, die sich aus der Nutzung der genetischen Ressourcen ergeben, ausgewogen und gerecht zu verteilen (sog. Access and Benefit Sharing).
Das Übereinkommen ist ein Meilenstein im internationalen Recht. Erstmals wird die Erhaltung der biologischen Vielfalt als «ein gemeinsames Anliegen der Menschheit» und als ein integraler Bestandteil der Entwicklung anerkannt. Die Konvention ist bindend, die unterzeichnenden Länder sind zur Umsetzung ihrer Bestimmungen verpflichtet. Beschlussfassendes Organ ist die Konferenz der Vertragsparteien (Conference of Parties COP). Das nächste Treffen findet vom 18. bis zum 29. Oktober 2010 in Nagoya statt.
Am Weltgipfel für Nachhaltige Entwicklung in Johannesburg setzten sich die anwesenden Staaten 2002 das Ziel, angesichts des beschleunigten Artensterbens und des Verlusts von Lebensräumen den Verlust der Biodiversität bis 2010 deutlich zu verlangsamen. Einen Schritt weiter gingen die Länder Europas, indem sie sich verpflichteten, den Verlust der Biodiversität nicht nur zu verlangsamen, sondern ihn bis 2010 ganz zu stoppen. Die Initiative Countdown 2010, lanciert von der Weltnaturschutzunion IUCN und unter Beteiligung von Regierungen, Behörden, NGOs und Privaten wacht über die Einhaltung dieser Verpflichtung.
Biologische Vielfalt in den Nationalen Naturlandschaften
Die Bundesregierung hat im November 2007 eine nationale Strategie zum Erhalt der biologischen Vielfalt vorgelegt und damit eine Verpflichtung aus der Biodiversitätskonvention von 1993 erfüllt. Ziel: Den Rückgang der Biodiversität in Deutschland bis 2010 zu stoppen. Ende 2009 wurde klar: Die Bundesregierung wird keins der angestrebten Ziele erreichen.
Dr. Eberhard Henne, ehemaliger Vorsitzender von EUROPARC Deutschland, im Interview (2009): „Dass wir das 2010-Ziel verfehlen werden, ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Flächenmäßig sind wir gut aufgestellt, aber finanziell ist es – mit Verlaub – eine Katastrophe, was sich Deutschland hier leistet. Selbst in den großen Parks, die uns wertvolle Auskünfte über die Anpassungen an den Klimawandel liefern sollen, wird das Personal gekürzt. Dass wir sparen müssen, auch wenn es weh tut, ist für mich nachvollziehbar. Wenn aber bis zu 30 Prozent der Budgets etwa in Brandenburg zusammengestrichen werden, dann sprengt das den Rahmen.“
Und die alarmierenden Zahlen nehmen nicht ab: Wissenschaftliche Studien belegen, dass die Zahl der Arten weltweit in den vergangenen dreißig Jahren um rund 40 Prozent zurückgegangen ist.
Die Nationalen Naturlandschaften sind die Gebiete mit der größten biologischen Vielfalt in Deutschland und damit für deren Erhaltung von größter Bedeutung. Die ausgedehnten Buchenwälder, das Wattenmeer, Magerrasen, Salbei-Glatthaferwiesen, Streuobstwiesen, Flußauen und viele andere Habitate beheimaten eine Vielzahl an seltenen Pflanzen und Tieren. Ein Fortschreiten des Artenverlusts bedroht die Vielfalt unserer Kultur- und Naturlandschaften und nicht zuletzt den Menschen in seiner gesamten Lebensqualität. Als Bewahrer dieser biologischen Vielfalt in Deutschland kommen den Nationalen Naturlandschaften eine verantwortungsvolle Aufgabe zu.
In den Nationalparks ist der Hauptzweck die freie Dynamik der Natur. Dem Prinzip „Natur Natur sein lassen“ folgend, durch das Nichteingreifen und Steuern des Menschen, verwildern ehemals bewirtschaftete Wälder und bieten einer natürlichen Artenvielfalt Raum.
Biosphärenreservate verfolgen einen integrierten Ansatz, der den Menschen in den Mittelpunkt stellt und nachhaltige Ressourcennutzung fördert. Das vorrangige Ziel ist es, win-win-Situationen zu schaffen, durch die sich die wirtschaftliche und soziale Lebenssituation der Menschen verbessert und gleichzeitig der Verantwortung nachgekommen wird, die Natur nachhaltig zu schützen.
Die Naturparks unterstützen die Biodiversität, indem in diesen Landschaften das Angebot an Lebensraum für Flora und Fauna erhöht wird durch Hecken- und Baumpflanzungen, den Sortenreichtum im landwirtschaftlichen Anbau oder durch Extensivierung der Nutzung.
Die Nationalen Naturlandschaften sichern das natürliche Erbe unseres Landes und geben gleichzeitig wichtige Erkenntnisse für eine ökologisch verträgliche und nachhaltige Nutzung der Kulturlandschaften, damit unser Leben auch künftig lebenswert ist.
Pünktlich zum Jahr der Biodiversität ist die Publikation
Nationale Naturlandschaften und Biodiversität - Vielfalt macht stark!
erschienen mit Beiträgen von Prof. Dr. Beate Jessel (BfN), Dr. Volker Scherfose ((BfN), Dr. Katrin Vohland (PIK), Karl Friedrich Sinner (NLP Bayerischer Wald), Dr. Johannes Hager (NRP Hainich), Prof. Dr. Susanne Stoll-Kleemann (Universität Greifswald), Klaus Liedtke (National Geographic), Dr. Jorge Groß (Universität Hannover), Christian Zepf (Bionade), Dr. Ebernhard Henne (EUROPARC Federation), Gertrude Penn-Bressel (UBA) und Guido Puhlmann (EUROPARC Deutschland)
Aktionen: Vortrag zur Biologischen Vielfalt und den Nationalen Naturlandschaften
EUROPARC Deutschland, Dachverband der Nationalparks, Naturparks und Biosphärenreservate Deutschlands, hat aus Anlass des Internationalen Jahres der Biodiversität einen Vortrag* entwickelt, der derzeit durch ganz Deutschland tourt.
"Botschafter" der Nationalen Naturlandschaften besuchen mit dem Vortrag ausgewählte Schutzgebiete, um auf die Schlüsselrolle der Nationalen Naturlandschaften für den Erhalt der Biodiversität hinzuweisen.
Beispielhaft wird an Schmetterling und Fettwiese, Rotbauchunke und Fischadler die Bedeutung der biologischen Vielfalt in Deutschland veranschaulicht. Der Vortrag zeigt zudem, wie schwierig ihr Erhalt gerade in industrialisierten Ländern mit ihren intensiv genutzten Landschaften ist und welche verheerenden Konsequenzen damit für die Menschen einhergehen. Ein Fortschreiten des Artenverlusts bedroht die Vielfalt unserer Kultur- und Naturlandschaften und nicht zuletzt den Menschen in seiner gesamten Lebensqualität.
Die nächsten Vortragstermine finden statt:
Termin: 27. Juli um 18:00 Uhr, ElbSchloss Bleckede, Schlossstraße 10, 21354 Bleckede
Referent: Guido Puhlmann, Leiter der Biosphärenreservatsverwaltung Mittelelbe und Vorsitzender von EUROPARC Deutschland
Veranstalter: ElbSchloss Bleckede GmbH (http://www.elbschloss-bleckede.de/index.php?id=228)
Im Veranstaltungskalender (www.kalender.biologischevielfalt.de) finden Sie bundesweit das ganze Jahr über Wanderungen, Vorträge, Familienprogramme, Projekte und Ausstellungen zum Thema Artenvielfalt in Deutschland.
Der bundesweite Wandertag des Bundesumweltministeriums (BMU) und des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) wird dezentral in Deutschland am Internationalen Tag der Biodiversität durchgeführt, am Pfingstsamstag, den 22. Mai.
*Die Erstellung des Vortrags wurde gefördert vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit.
2010 © EUROPARC Deutschland
Dachverband der Nationalparks, Biosphärenreservate und Naturparks - Nationale Naturlandschaften



