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20 Jahre „Tafelsilber“ der deutschen Einheit

Der Jasmund ist seit 20 Jahren als Nationalpark ausgewiesen. Foto: Michael Weigelt
War es nun ein völlig verrückter Coup, ein wildes Husarenstück oder einfach nur die Gunst der Stunde? Das in der letzten Sitzung der DDR-Regierung am 12. September 1990 beschlossene Nationalparkprogramm der DDR bietet jedenfalls Stoff für viele Geschichten und Legenden. Professor Michael Succow, Träger des alternativen Nobelpreises und in vielen nationalen und internationalen Naturlandschaften unterwegs, kann als Beteiligter an den damaligen Entscheidungen Auskunft geben. „Zwölf Prozent des DDR-Territoriums waren als Sperrgebiet, Grenzstreifen oder Truppenübungsplatz für die Bevölkerung unzugänglich“, erzählt Succow, der im März 1990 als stellvertretender Chef des neugeschaffenen Ministeriums für Umwelt, Naturschutz, Energie und Reaktorsicherheit (MUNER) in die erste demokratisch gebildete DDR-Regierung eingetreten war. „Eine von mir geleitete Arbeitsgruppe von Umweltaktivisten wollte die Natur großflächig unter Schutz stellen und so die Menschen zum Schauen, Staunen und Erleben anregen.“

Der Mühlensee im Müritz-Nationalpark.
Foto: Uli Messner
Das wollte die Arbeitsgruppe im neuen Ministerium unbedingt verändern und orientierte sich an dem in den USA entwickelten Nationalparkprogramm. Da soll sich die Natur möglichst selbst überlassen werden. „Als weitere Abstufungen erfanden wir die Biosphärenreservate und die Naturparke“, sagte Professor Succow. Der DDR-Ministerrat stimmte vier Wochen vor der deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 der Ausweisung von 14 Großschutzgebieten zu. Diese fünf Nationalparks, sechs Biosphärenreservate und drei Naturparks umfassten eine Fläche von 4 882 Quadratkilometern, die 4,5 Prozent des DDR-Territoriums entsprachen. Sie galten als „Tafelsilber“ der Wiedervereinigung. Dazu gehörten neben den ehemaligen Staatsjagdgebieten in Mecklenburg-Vorpommern, das Elbtal zwischen Sachsen-Anhalt und Niedersachsen, die brandenburgischen Biosphärenreservate Spreewald und Schorfheide-Chorin und der Naturpark Märkische Schweiz.

Professor Succow in einer Gruppe
von Studenten der Landschaftsökologie
der Ernst-Moritz-Arndt-Universität.
Foto: Olgiati, Wartin.
In allen Großschutzgebieten im Osten Deutschlands finden anlässlich des 20. Jahrestages der Gründung zahlreiche Veranstaltungen statt. So gibt es im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft auf dem Darß morgendliche Vogelstimmenwanderungen, Vollmondexkursionen und abendliche Ausflüge zu Naturbildern in Mythen und Märchen. Das Biosphärenreservat Spreewald wiederum lädt zu Abstechern in die Kräutermanufaktur ein, während die Burg Lenzen an der Elbe ein dreitägiges Erlebnisprogramm auf dem Rad und im Kanu veranstaltet.
Aus Anlass des 20-jährigen Jubiläums finden am 12./13. September eine Festveranstaltung und ein Kolloquium im Kloster Chorin, Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin statt.
Weitere Infos im Veranstaltungskalender unter www.nationale-naturlandschaften.de
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2010 © EUROPARC Deutschland
Dachverband der Nationalparks, Biosphärenreservate und Naturparks - Nationale Naturlandschaften
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