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Biodiversitäts-Exploratorien

Vernetzt von Kronendach bis Wurzelraum

Der 1. Wissenschaftstag des Biosphärenreservats Schorfheide-Chorin brachte es an den Tag: fast so vielfältig wie die Natur selbst sind auch die Projekte, die sich ihrer Erforschung widmen. Ein Projekt allerdings unterscheidet sich von allen anderen, nicht nur im Biosphärenreservat, sondern weltweit: Die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten „Exploratorien für funktionelle Biopersitätsforschung“.

Im Unterschied zu anderen, die biologische Vielfalt (Biopersität) im Blickfeld haben, beobachtet dieses Projekt nicht nur die Lebenswelt sondern experimentiert an ihr. Und das geschieht nicht im Labor oder auf einer wissenschaftlichen „Spielwiese“, sondern unter realen Bedingungen unter laufender Bewirtschaftung und auf großer Fläche. Auf diese Weise erhält ein ganzes Biosphärenreservat eine neue zusätzliche Funktion als biologisches Experimentierfeld.

Ziel ist es, Licht in die Beziehungen zwischen Landnutzung, biologischer Vielfalt und den komplexen und oft schwierig zu verstehenden Funktionen von Ökosystemen zu bringen. In diesem langfristig angelegten Projekt, das im Juli 2006 startete, arbeiten Biologen, Bodenkundler, Forstwissenschaftler und Ökosystemforscher von über 33 Forschungseinrichtungen aus Deutschland, der Schweiz und Österreich zusammen.

Nach der Etablierungsphase der insgesamt drei Exploratorien Schorfheide-Chorin, Hainich-Dün und Schwäbische Alb begann in den vergangenen zwei Jahren die vielfältige Erfassung von Pflanzen, Säugetieren, Vögeln, ausgewählten Gliedertiergruppen und Bodenmikroorganismen. Weiterhin starteten Untersuchungen und Experimente zu Ökosystemprozessen, wie z.B. der Zersetzung von Totholz oder den Aktivitäten von blütenbesuchenden Insekten und ihrer Rolle als Bestäuber. Da die Exploratorien als Forschungsplattform angelegt sind, die für alle Wissenschaftler offensteht, werden die laufenden Untersuchungen kontinuierlich durch weitere Teilprojekte anderer Forschungseinrichtungen umfassend erweitert, vor allem in den Bereichen Stoffkreisläufe, Bodenorganismen, Fernerkundung und Modellierung.

Alle Teilprojekte nutzen gemeinsam die vom lokalen Exploratoriums-Management in Angermünde bereitgestellten 100 Experimentierplots. Diese repräsentieren den in der Schorfheide vorgefundenen Landnutzungsgradienten. Im Wald reicht die Spanne vom Kiefernstangenholz bis zum Buchen-Naturwald und im Grünland von der Magerwiese bis zur Düngeweide. Um den Einfluss der Landnutzung erfassen zu können, beschränkt sich der ausgewählte Standortgradient dagegen nur auf die mittleren Bereiche, indem Habitate auf Extremstandorten, wie Sandkiefernwälder und -trockenrasen oder Bruchwälder und Feuchtwiesen ausgespart blieben.

Die kontinuierlichen Absprachen und Kontakte zwischen Landbesitzern und Projekt-Management ermöglichen den reibungslosen Forschungsbetrieb bei gleichzeitiger uneingeschränkter Flächenbewirtschaftung. Eine zentrale Datenbank sorgt für die Planung der Geländearbeiten und intensiven Datenaustausch unter den Wissenschaftlern. Damit wird durch die Exploratorien eine bislang einzigartige Infrastruktur für fachübergreifende, langfristige Arbeiten zur funktionellen Biopersität und Ökosystemforschung gelegt. Die Forschungsplattform der Exploratorien (www.biopersity-exploratories.de) wird so längerfristig neben wichtigen Erkenntnissen für die Grundlagenforschug auch Anstöße zur Entwicklung konkreter Umsetzungsstrategien geben.

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