Die Natur soll ihre Moore zurückerhalten

Durch den Einbau von Querdämmen in das Pregnitzfließ (FFH-Gebiet Finowtal-Pregnitzfließ) ist ganzjährig ein optimaler Wasserstand zu halten, um den Durchströmungsmoorcharakter wiederherzustellen. Foto: Naturpark Barnim
Regelmäßigen und aufmerksamen Nutzern des Radfernweges Berlin-Usedom fällt die Veränderung im Naturpark Barnim sofort ins Auge: in den Wäldern bei Biesenthal werden die Moore immer kleiner oder trocknen sogar aus. Wo bis vor kurzer Zeit eine bräunlich-schwarze Wasserfläche durch die Bäume rechts und links des Weges schimmerte, erkennt der Naturbeobachter nur noch eine feuchte Stelle inmitten einer ausgetrockneten Waldfläche.

Das Braunmoosmoor Belenzlauch gehört zu den sensiblen Mooren in Brandenburg und ist von landesweiter Bedeutung. Hier kommen zahlreiche Arten der Roten Liste und sehr seltene Pflanzengesellschaften der Kalkflachmoore und der mesotrophen Zwischenmoore vor, z.B. Sumpf-Glanzkraut (Liparis loeselii). Aufgrund des durch Abzugsgräben gestörten Wasserhaushaltes besteht eine deutliche Verbuschungstendenz. Ehemals wurde die Fläche als Grünland genutzt. Durch einen angrenzenden Intensivacker besteht die Gefahr der Eutrophierung. Foto: Naturpark Schlaubetal.
Das ist eine für das Land Brandenburg und ganz Deutschland durchaus typische Entwicklung. „Viele Moore kann man heute mit Sandalen oder Turnschuhe betreten. Man holt sich keine nassen Füße mehr und genau das veranschaulicht das Problem“, sagte Brandenburgs Umweltministerin Anita Tack (Die Linke) auf einer Moor-Konferenz in Angermünde. Von einstmals mehreren 10 000 Hektar hätten lediglich auf drei Standorten etwa 50 Hektar Braunmoosmoore in naturnahem Zustand überlebt. Deshalb soll ein bundesweit einmaliges Naturschutzvorhaben in mehreren Naturschutzgebieten die wertvollen kalkreichen Niedermoore wiederherstellen. Das fünfjährige Programm unter der Regie der Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg konzentriert sich auf die Landkreise Dahme-Spreewald, Märkisch-Oderland, Oberhavel, Oder-Spree, Uckermark und Barnim. Hier befinden sich unter anderem die Biosphärenreservate Spreewald und Schorfheide-Chorin sowie die Naturparke Märkische Schweiz, Dahme-Heideseen und Schlaubetal.

Die Steifblättrige Kuckucksblume
ist eine typische Orchideenart
der Kalkflachmoore
Foto: Naturpark Dahme-Heideseen
Insgesamt 6,4 Millionen Euro fließen in das Projekt, wovon die Hälfte von der EU kommt. Nicht ganz zufällig fiel der Projektstart in das Internationale Jahr der Biodiversität. „Mit dem Kalkmoore-Projekt leistet die Stiftung NaturSchutzFonds einen ganz praktischen Beitrag zur Erhaltung der biologischen Vielfalt“, meinte Projektleiter Dr. Holger Rößling aus. Kalkmoore seien artenreich und zugleich Lebensraum für hoch spezialisierte Pflanzen wie Orchideen und Moose. In ungestörten Kalkmooren können seltene und ebenfalls stark bedrohte Tierarten überleben. Außerdem speichern sie Wasser in der Landschaft und kühlen ihre Umgebung. Dank ihrer Reinigungskraft sind Moore unverzichtbar für den Erhalt der Trinkwasservorräte. Sie speichern enorme Mengen an Kohlenstoff, weit mehr, als dies Wälder tun.

Schlechtwettermorgenröte im
NSG Moor am Pätzer Hintersee.
Foto: Naturpark Dahme-Heideseen
In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben von den moorreichen norddeutschen Bundesländern Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und jetzt auch Schleswig-Holstein eigene Moorschutzprogramme erarbeitet. So konnte Niedersachsen eine Moorfläche von 12 000 Hektar und Mecklenburg-Vorpommern sogar 14 000 Hektar renaturieren. In Schleswig-Holstein besteht das Ziel, 22 Prozent der Moorfläche wiederherzustellen. In Mecklenburg-Vorpommern sollen es 25 Prozent sein. „In Brandenburg sind mit knapp 3.000 Hektar Fläche erst 1,5 Prozent der aktuellen Moorfläche renaturiert worden“, sagte Ministerin Tack.
Die Ergebnisse des neuen Brandenburger Moorprogramms dürften leicht festzustellen sein. Radfahrer auf dem beliebten Fernweg Berlin-Usedom brauchen im Biesenthaler Becken nur nach Mooren Ausschau halten. Diese müssten in einigen Jahren keine Rarität mehr sein.