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Fünf neue Käfer im Müritz-Nationalpark entdeckt

Das Naturwaldreservat Useriner Horst gilt als Heimat für viele vom Aussterben bedrohte Arten

Auseinander gebrochene, noch
lebende Alteiche am Nordrand
des von Buchen dominierten
Naturwaldreservates
- idealer Lebensraum für
die Xylobionte.
Foto: Stephan Gürlich

Das rund 37 Hektar große Waldgebiet „Useriner Horst“ im Müritz-Nationalpark ist ein Paradies für Käfer, die anderswo schon längst ausgestorben oder in ihrer Existenz stark bedroht sind. Das ist das Ergebnis einer zweijährigen Bestandsaufnahme der Käuferfauna in diesem Naturwaldreservat durch den Biologen Stephan Gürlich.
Er entdeckte in seinem Monitoring sogar fünf Käferarten, die bisher in ganz Mecklenburg-Vorpommern unbekannt waren. Darunter sind vier sogenannte Xylobionte, Käfer, die Holz als Lebensraum brauchen: Euplectus kirbii, Batrisus formicarius, Placusa complanata und die Urwaldrelikt-Art Ampedus brunnicornis. Bei der fünften Art, Atheta nidicola, handelt es sich um einen Bewohner von Vogelnestern. Vier weitere Arten wurden nach über 50 oder sogar 100 Jahren erstmals in Mecklenburg-Vorpommern wiedergefunden, darunter die beiden Xylobionten Caenoscelis ferruginea und Lichenophanes varius.

Gürlich In dem für die Öffentlichkeit gesperrten und seit vielen Jahrzehnten nicht mehr bewirtschafteten Wald fühlen sich insgesamt 602 Käferarten wohl. 14 507 Individuen wurden im Rahmen des Forschungsvorhabens gefangen und untersucht. 314 dieser Arten mit 10 108 Individuen gehören zur Kategorie der „Holzkäfer“. Von den 602 Käferarten werden 130 in den Roten Listen Mecklenburg-Vorpommerns bzw. der Bundesrepublik Deutschland geführt. Das entspricht 21,6 Prozent des erfassten Arteninventars. Elf der gefundenen Käferarten sind bundesweit vom Aussterben bedroht und 42 gehören zur den stark gefährdeten Arten.

Imago des Eremiten (Osmoderma
eramita). Eine nach Anhang II und IV
der FFH-Richtlinie streng geschützte Art
mit Stellvertreterfunktion für eine
Vielzahl hochgradig gefährdeter,
an Altbäume und Baumveteranen
gebundener Arten.
Foto: Stephan Gürlich

Als ein unbestechlicher Beweis für den Naturreichtum gilt auch das Auftreten von „Urwaldrelikt-Arten“. Allein acht dieser erheblich gefährdeten Arten gibt es im „Useriner Horst“. Fachleute sprechen von „Indikatoren für Strukturqualität und Habitattradition“. Bei diesen Arten handelt es sich um Aeletes atomarius, Ampedus brunnicornis, Elater ferrugineus, Mycetophagus decempunctatus, Allecula rhenana, Eledonoprius armatus, Corticeus bicoloroides und Osmoderma eremita. Mehr Urwaldrelikt-Arten gibt es in Mecklenburg-Vorpommern nur in den Naturwaldreservaten Conower Werder (10) und Heilige Hallen (13).

Körperteile (Flügeldecken und Hinterleib) sowie Kotpillen des Eremiten in ausgetretenem Mulm unterhalb der Bruchstelle, hinter der sich eine großvolumige Höhle befindet. Foto: Stephan Gürlich


Im Vergleich mit schon vorhandenen mehrjährigen Untersuchungen von Naturwaldreservaten gehört der „Useriner Horst“ damit zu den artenreichen Gebieten. In der Artengemeinschaft der Xylobionten sind die Gilden der Mulm- sowie der Pilzbewohner im Vergleich zum Mittelwert bereits untersuchter Naturwaldreservate überdurchschnittlich vertreten. Das gilt als deutlicher Hinweis auf einen hohen Grad der Naturnähe eines Waldstückes.

Mehr Informationen unter www.nationalpark-mueritz.de

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