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Heilkräfte aus dem Wald

Urwaldgebiet Mittelsteighütte im Nationalpark Bayerischer Wald, ein typischer Bereich für den Schwarzborstling. Foto: Rainer Pöhlmann, Nationalpark Bayerischer Wald

Der Wald steckt nicht nur im übertragenen Sinn voller Gesundheit. Auch ganz konkret kann er selbst hartnäckige und sogar als unheilbar betrachtete Leiden lindern oder heilen. Einen überzeugenden Beweis lieferten jetzt Pilzforscher des Nationalparks Bayerischer Wald. Sie suchten gezielt in den Fichtenwäldern nach dem Glänzenden Schwarzborstling (Pseudoplectania nigrella) und wurden tatsächlich fündig. Der nur wenige Zentimeter große und becherförmige enthält in den Fruchtkörpern das Antibiotikum Plectasin.

Schwarzborstling.
Foto: Dr. Christoph Hahn

Ein Forscherteam um den Dänen Per Mygind hatte schon vor geraumer Zeit bei Versuchen mit Mäusen die hohe Erfolgsquote dieses Antibiotikums nachgewiesen. Es zeigte sich auch wirksam gegen jene Bakterienstämme, die sich gegen die meisten herkömmlichen Antibiotika als resistent erwiesen hatten. Vor allem bei der Behandlung von lebensbedrohlichen Lungenentzündungen könnte das Mittel Erfolge zeigen. Auch bei Scharlach, Hirnhautentzündung oder Blutvergiftungen wäre ein Einsatz denkbar. Die Wissenschaftler aus Skandinavien gewannen das zur Gruppe der Defensine gehörende Antibiotikum erstmals aus Pilzen, die aus nordeuropäischen Kiefernwäldern stammten. Zuvor waren diese Defensine nur bei Tieren bekannt gewesen. Die Funde im Nationalpark Bayerischer Wald geben Anlass für viel Zuversicht. Schließlich würde bei einer Zulassung als Medikament die Nachfrage nach den Glänzenden Schwarzborstling sprunghaft steigen.

Neben dem Nachweis dieses Pilzvorkommens gelang Waldführern und Pilzkundler der Bayerischen Mykologischen Gesellschaft im Nationalpark mit dem Fund des Gestielten Tannen-Schwarzborstling (Pseudoplectania vogesiaca) eine weitere Überraschung. Diese Pilzart war seit 17 Jahren nicht mehr aufgetaucht und gilt als vom Aussterben bedroht. Im Unterschied zu den Verwandten aus dem Fichtenwald besitzt der Tannen-Schwarzborstling einen Stiel und größere Fruchtkörper. Seine Inhaltsstoffe sind jedoch noch unerforscht. Der seltene Pilz gedeiht auf liegenden, morschen Stämmen und -ästen von Weißtannen. Da die Tannenwälder aber in Deutschland immer weiter zurückgehen, verringern sich auch die Vorkommen des Gestielten Tannen-Schwarzborstlings rapide. Umso größer ist die Freude im Nationalpark, dass hier der Pilz eine sichere Heimat gefunden hat und Wissenschaftlern zur weiteren Erforschung der vermuteten Wirkstoffe zur Verfügung steht.

www.nationalpark-bayerischer-wald.de

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