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Nationalparkidee führt zu Erfolgsgeschichte
Im Nationalpark Bayerischer Wald wird die Natur sich selbst überlassen. Altes stirbt ab, neues Leben entsteht
Das vor 40 Jahren ins Leben gerufene Nationalparkprogramm in Deutschland kann mit Fug und Recht als Erfolgsgeschichte bezeichnet werden. Darin waren sich Politiker, Naturschützer sowie Vertreter von Verbänden und Stiftungen, der Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung auf einer Tagung im Juli im Bayerischen Wald einig.
Dabei hatten die Initiatoren den Ort der Beratung nicht zufällig gewählt. Schließlich war 1970 gerade im Bayerischen Wald der erste Nationalpark in Deutschland gegen mancherlei Widerstände eröffnet worden. Die süddeutschen Naturfreunde knüpften dabei an eine vor 100 Jahren erstmals in Europa praktizierte Idee an. Schweden richtete damals die ersten Nationalparks ein.
Foto: Rainer Pöhlmann
Der Bayerische Umweltministers Dr. Markus Söder bewertete die Nationalparks als einen Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung. Sie hätten eine ökologisch-ökonomische Funktion und würden zum Schutz des Klimas und der Biodiversität beitragen. Künftig solle noch mehr Wert auf die Umweltbildung, die Vermittlung des Bewusstseins für nachhaltiges Handeln an Kinder und die Weiterentwicklung des Ökotourismus gelegt werden. Dieser sei weder Luxus, noch ein Ausdruck für eine Hilfsbedürftigkeit, meinte Söder. Stattdessen sollten die Stärken dieser Erlebnisart hervorgehoben werden.
Foto: Rainer Pöhlmann
Auf eine entscheidende wissenschaftliche Erkenntnis verwies der Präsident des Deutschen Naturschutzrings, Hubert Weinzierl. Es sei hinreichend belegt, dass der Nationalpark Bayerischer Wald nicht nur ein Naturschutz-Ereignis sei, sondern er sich auch für die Menschen und für den Tourismus rechne. Allerdings warnte Weinzierl vor einem ungezügelten Wachstum der Nationalparke. „Man sollte sich auf wenige Vorbildlandschaften beschränken, mehr als 20 Nationalparke sollten es am Ende in Deutschland nicht sein. Und vor allem müssen die Qualität und der Seltenheitswert gewährleistet sein“, forderte der Naturschützer. „Wo Nationalpark drauf steht, muss Nationalpark drin sein.“ Ein künftiger Nationalpark müsse wenigstens 10 000 Hektar Fläche umfassen. Die Übernahme früherer militärischer Flächen durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), von Umweltverbänden und Stiftungen und die Schaffung von Wildnisgebieten nannte er eine „beglückende Konversion“.
Foto: Rainer Pöhlmann
Für die Erarbeitung eines Bundesgesetzes durch Länder und gesellschaftliche Gruppen sprach sich Dr.-Ing. E.h Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesumweltstiftung Umwelt, aus. Darin solle die Zahlung von jährlich fünf Millionen Euro durch ein Bundesprogramm für Naturschutzinteressen verankert werden. Die Nationalen Naturlandschaften bezeichnete Brickwedde eine „Lokomotive für Biodiversität und Klimaanpassung“.
Foto: Rainer Pöhlmann
Dr. Uwe Riecken vom Bundesamt für Naturschutz erläuterte auf der Tagung das Ziel der Bundesregierung, zwei Prozent des deutschen Territoriums als Wildniszone auszuweisen. Gleichzeitig hob er die Vorbildfunktion der Nationalen Naturlandschaften hervor. „Wir können keine Forderungen gegenüber Amazonien stellen, wenn wir unsere eigenen Naturlandschaften nicht schützen“, forderte Riecken.
EUROPARC Deutschland hat daher für die weitere Entwicklung der deutschen Nationalparks als Herzstück der Nationalen Naturlandschaften eine Vision 2020 formuliert, die zentrale Entwicklungsschritte beschreibt. So ist die Zahl der Nationalparks zur Sicherung der wichtigsten Großlandschaften unseres Landes auf ca. 20 zu erhöhen, die sich zu zentralen Hot Spots der Biodiversität entwickeln sollen, ausgezeichnet durch ihre freie wilde Natur. Dies schließt ein, dass die Standards der Qualitätskriterien für die Nationalparks bis 2020 erfüllt werden als Garantie für ihre Einzigartigkeit, Unversehrtheit, gutes Management und Integrität. Diese herausragende Bedeutung der Nationalparks für den Naturschutz in unserem Land muss von Menschen erlebbar sein - ihre einzigartige Wildnis mit allen Sinnen erfahrbar. Jedes Schulkind soll daher in seiner Schulzeit einmal einen Nationalpark besuchen können und die Besonderheit der Wildnis erfahren. Die Nationalparks selbst sollen ihre Rolle als Dienstleister und regionale Markenträger für einen ökologisch verträglichen, nachhaltigen Naturtourismus auf hohem Qualitätsniveau erfüllen.
v.l.n.r. Guido Puhlmann, Vorsitzender EUROPARC Deutschland/ Prof. Dr. Bernd Hansjürgens, Leiter des Departments Ökonomie, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ/Karl-Friedrich Sinner, Leiter Nationalpark Bayerischer Wald/ Dr.-Ing. E.h. Fritz Brickwedde, GeneralsekretärDeutsche Bundesstiftung Umwelt/Gertrud Sahler, Leiterin Naturschutz und nachhaltige Naturnutzung, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit/ Dr. Markus Söder, bayerischer Umweltminister/Hubert Weinzierl, Präsident Deutscher Naturschutzring/ Martin Šolar, Leiter Nationalpark Šumava/Heiner Herkenhoff, Leiter Public Affairs und Beauftragter des Vorstands, Commerzbank AG/Klaus Liedtke, Moderator, ehem. Chefredakteur von Stern und National Geographic. Foto: Rainer Pöhlmann
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2010 © EUROPARC Deutschland
Dachverband der Nationalparks, Biosphärenreservate und Naturparks - Nationale Naturlandschaften
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