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Nobelpreis für die Natur
Welterbe-Wegbereiter für das Wattenmeer
Beeindruckt hat den gebürtigen Kubaner und Spezialisten der Naturschutzorganisation IUCN Pedro Rosabal, Gutachter im Auftrag der UNESCO, nicht nur die einzigartige Landschaft des Wattenmeers, sondern vor allem die Menschen, die diese Naturlandschaft erhalten haben und deren Wissen und Wirken den Welterbe-Prozess bereichern.

Die Dynamik der Landschaft hat ihn am meisten fasziniert. „Der Schlick, auf dem man eben noch spazierte, ist plötzlich mit Wasser bedeckt. Sandbänke und Priele verändern ständig ihre Lage,“ schwärmt Pedro Rosabal. Der Spezialist der internationalen Naturschutzorganisation IUCN kennt die Galapagos-Inseln, die Korallenriffe der Karibik und die üppige Vegetation des Pantanal in Brasilien -– und kann sich immer noch für Schlickwatt und Dünen begeistern. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand von dieser Kraft der Elemente unbeeindruckt bleibt.“ Vor einem Jahr bereiste Rosabal als Welterbe-Gutachter das Wattenmeer. Sein positiver Bericht lieferte die Argumente für die Empfehlung an das Welterbe-Komitee, das Wattenmeer in die Liste der Weltnaturerbestätten aufzunehmen.
Bereitschaft zu Zusammenarbeit und Kompromiss
„Es heißt, dies sei der Nobelpreis für die Natur. Aber ich sage immer, es ist auch ein Nobelpreis für die Menschen, die in der Region leben und dazu beigetragen haben, die Landschaft zu erhalten“, erklärt der gebürtige Kubaner. Mit Freude erinnert er sich an sein Gespräch mit Fiete Nissen, dem Hallig-Postboten und Bürgermeister von Langeneß. „Ich bin es gewohnt, mit Behörden- und Regierungsvertretern zu sprechen. Aber die Menschen, die ihr ganzes Leben in einem einzigartigen Naturraum verbracht haben, verfügen über einen großen Schatz an empirischem und traditionellem Wissen, das den Welterbe-Prozess wirklich bereichert.“

Pedro Rosabal auf der IUCN “Field Mission” im September 2008Foto G. Lüerßen, CWSS
Er habe bei allen Interessengruppen im Wattenmeerraum eine große Bereitschaft zur Zusammenarbeit und zum Kompromiss gespürt. „Das habe ich schon anders erlebt. In manchen Regionen, die ich bereist habe, wussten die Anwohner gar nichts von der Bewerbung um den Welterbe-Titel.“
Wattenmeer – Vogelparadies und Touristenziel
Auf jede Evaluations -Mission bereitet sich Rosabal mindestens einen Monat lang vor. Wie erklärt er Laien, warum das Wattenmeer nun auf einer Stufe mit dem Serengeti-Nationalpark in Afrika oder den Galapagos-Inseln vor Südamerika steht? „Es ist wichtig, alles im globalen Zusammenhang zu sehen“, betont der promovierte Geograph. „10 Millionen Vögel nutzen das Wattenmeer jedes Jahr als Rastplatz und Futterstelle auf ihrem Zugweg. Gäbe es den Schlick mit den Muscheln und Würmern nicht, so könnten sie nicht bis zu ihren Brut- oder Überwinterungsgebieten fliegen. Für 43 Vogelarten ist das Wattenmeer überlebenswichtig, ohne diese Auftank-Station würden sie wahrscheinlich aussterben. Das ist einer der Aspekte, die diese Küstenregion weltweit einzigartig machen.“

Nationalpark Wattenmeer - blaue Lagune
Und was ist mit all den Ausflugsschiffen und Fischkuttern, den Windsurfern, bunten Strandmuscheln und all dem anderen menschlichen Einfluss, dem die neue Welterbe-Stätte täglich ausgesetzt ist? „Natürlich liegt das Wattenmeer nicht mitten im Amazonas-Urwald“, sagt der Experte lachend. „Es befindet sich sogar in der Nähe der am dichtesten besiedelten Region Europas. Dennoch laufen die natürlichen Prozesse hier weitgehend ungestört ab.“ Rosabal lobt die gute Zusammenarbeit von Naturschutz, Tourismus und Wirtschaft im trilateralen Wattenmeerplan. Sein Ratschlag für die Zukunft: „Die Besucherlenkung muss mit viel Umsicht und enger grenzübergreifender Zusammenarbeit weiterentwickelt werden. Denn drei bis fünf Jahre nach der Aufnahme in die Liste der Welterbe-Stätten, das zeigt unsere Erfahrung in anderen Regionen, nimmt der Tourismus oft so stark zu, dass es zu Konflikten mit dem Naturschutz kommen kann.“
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2010 © EUROPARC Deutschland
Dachverband der Nationalparks, Biosphärenreservate und Naturparks - Nationale Naturlandschaften
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