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Ökosystemare Leistungen der Natur und ihr ökonomischer Wert

Intakte Natur im Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft.
Foto: Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft.

Intakte Ökosysteme und eine breite Artenvielfalt ermöglichen den Menschen ihr Wohlergehen: Wälder liefern uns lebenswichtigen Sauerstoff und sind gleichzeitig die „natürliche“ Antwort auf den Klimawandel als wichtiger Speicher von Kohlenstoff. Bienen und andere Bestäuber garantieren ca. 30 % des landwirtschaftlichen Ertrags, der knapp 7 Milliarden Erdenbürger ernähren muss. Mangrovenwälder und Korallenriffe schützen vor Flutwellen und sind somit oft Lebensretter für Tausende. Doch ohne den Wert dieses Schatzes, der so genannten Ökosystem-Dienstleistungen zu kennen, laufen wir Gefahr, ihn zu verlieren.

Wert von Ökosystem-Dienstleistungen erstmals in einer Studie untersucht
Darum gaben EU-Kommissar Stavros Dimas und Deutschlands Umweltminister Sigmar Gabriel im Rahmen der G8+5 Umweltministerkonferenz 2007 in Potsdam die Studie „The Economics of Ecosystems and Biodiversity“ (kurz TEEB) in Auftrag. Die Studie betrachtet einerseits den wirtschaftlichen Nutzen von Ökosystemen und Artenvielfalt. Anderseits werden die Kosten und möglichen Folgen des Verlustes von Biodiversität und der anhaltenden Zerstörung von Ökosystemen genauer beleuchtet.

Reusen vor Goor im
Biosphärenreservat Südost-Rügen.
Foto: Biosphärenreservat Südost-Rügen

Ziel ist es, Handlungsempfehlungen, Anreize und Instrumente zu erarbeiten, die aktiv zum Erhalt von Ökosystemen und Artenvielfalt beitragen. Da dies eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe darstellt, erscheint der TEEB-Bericht maßgeschneidert für verschiedene „Endkunden“: Neben einem wissenschaftlichen Fundament werden Politiker und Entscheidungsträger von der internationalen bis zur lokalen Ebene, Unternehmen und nicht zuletzt Bürger und Konsumenten mit jeweils einzelnen Berichten angesprochen.

 

Studie liefert Zusatzargumente für den Naturschutz
TEEB möchte ein globales Umdenken unterstützen und hat sich daher neben Nachhaltigkeit auch Begriffe wie Armutsbekämpfung und Gleichberechtigung auf die Fahnen geschrieben. Unser derzeitiges gesellschaftliches Modell unterstützt und belohnt gesteigerten statt besseren Konsum, privaten statt gesellschaftlichen Wohlstand und von Menschenhand geschaffenes statt natürliches Kapital. Die Wissenschaftler der TEEB-Studie arbeiten intensiv an Möglichkeiten, diesem „Marktversagen“ zu begegnen und den Reichtum der Natur in den Bilanzen der Nationen und Konzerne abzubilden. TEEB möchte nun Instrumente und Maßnahmen vorstellen, die Politikern, Unternehmensführern und Kunden dabei helfen, tätig zu werden und dem Umdenken auch ein Handeln folgen zu lassen. Wichtig ist dabei zu betonen, dass TEEB Zusatzargumente für den Naturschutz liefern soll, nicht aber unsere ethische Verpflichtung zum Erhalt von Arten und Ökosystemen ersetzt.

Die ökonomische Bedeutung von Schutzgebieten
Ein wichtiges Ergebnis der bisherigen TEEB-Studien ist die hohe Bedeutung von Schutzgebieten zur Erbringung ökosystemaren Dienstleistungen: Bei einer Investition von ca. 45 Mrd. US$ ein optimiertes globales Schutzgebietsnetz jährlich (derzeit sind es ca. 6-10 Mrd. US$), würde man schätzungsweise 4,4 Bio. US$ an Ökosystemdienstleistungen pro Jahr erzielen. Und auch auf der lokalen Ebene zeigt sich dieser Mehrwert, nicht nur bei öffentlichen Gütern wie der Festlegung von Kohlenstoff in Wäldern oder der Wasserrückhaltefunktion in Mittelgebirgsregionen und Auen, sondern auch direkt durch den Erholungsnutzen und den damit verbundenen Tourismus. Weitere Ansätze, diese Werte auch durch Maßnahmen in Wert zu setzen, sind hier zentral. Die TEEB-Studie liefert hierzu wichtige Ansatzpunkte.

Text: Dr. Carsten Neßhöver | Helmholtz Zentrum für Umweltforschung - UFZ | Permoserstraße 15, 04318 Leipzig
teeb@ufz.de | www.ufz.de | www.teebweb.org

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