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Refugium für Wissenschaftler und Touristen

Brockengarten

Wer die Einheimischen und Touristen im Harz nach der Brockenanemone fragt, erntete früher oft nur ein ungläubiges Kopfschütteln. Erst bei der volkstümlichen Bezeichnung „Teufelsbart“ nickten die Gesprächspartner wissend. Heute hat sich der Name „Brockenanemone“ aber allgemein durchgesetzt.

Brockenanemone

Viele Menschen kennen die weiße Blume von ihren Wanderungen auf den Brocken. „Sie ist eigentümlich geformt und stark behaart“, heißt es dann oft. „Und sie steht bekanntlich unter strengem Naturschutz.“ Kenner des Mittelgebirges geben dann oft noch einen guten Tipp, wo die wegen des im Saft enthaltenen Stoffes Protoanemonin als leicht giftig geltende Pflanze garantiert zu finden ist: im Brockengarten direkt auf dem Gipfel mitten im Nationalpark Harz.

Diese Anlage besitzt nicht nur wegen der Verdienste um den Schutz der auf der Roten Liste vom Aussterben bedrohter Pflanzen einen guten Ruf in der wissenschaftlichen Fachwelt und bei den „ganz normalen Touristen“. Forschungen zum Erhalt und zur Erweiterung der Biodiversität auf dem Brocken und in Hochgebirgslandschaften sowie die populärwissenschaftliche Aufklärung über die schützenswerte Natur machen den schon 1890 von Professor Dr. Albert Peter, dem damaligen Direktor des Botanischen Gartens in Göttingen, gegründeten Garten zu einem wertvollen Refugium.

Die Themen auf der gemeinsam vom Nationalpark Harz sowie den Botanischen Gärten der Universitäten Halle und Göttingen betriebenen Fläche von rund 1 000 Quadratmetern Größe sind vielfältig. Da der 1 141 Meter hohe Brockengipfel durch seine exponierte Lage klimatisch den 1 700 bis 1 900 Meter hohen Alpenbergen und Weiten der Tundra entspricht, kann hier leicht die Anpassungsfähigkeit von Hochgebirgspflanzen an Klima- und Umweltveränderungen untersucht werden.

Foto: Frank Steingass

Die Besucher geraten bei den Führungen nicht selten über den Naturreichtum ins Staunen. Denn hier gedeihen 1 800 Pflanzenarten nebeneinander, die doch weit weg von Deutschland zu Hause sind. Dazu gehören Calceolaria uniflora, eine einblütige Pantoffelblume aus Patagonien, Aquilegia skinneri aus dem Südwesten der USA, Azorella trifurcata, ein Doldenblütler aus den Anden, Androsace helvetica, das Schweizer Mannsschild und die Zwergnelke Dianthus microlepis aus Bulgarien. Auch Südafrika, Japan, der Kaukasus und Iran sind vertreten. Dabei stand der Brockengarten durch die Spaltung Deutschlands zwischen 1961 und 1989 vor dem Aus. Der Gipfel lag im Bereich der innerdeutschen Grenze, sodass die Anlage nicht mehr von Touristen betreten werden durfte. 1971 endete auch die wissenschaftliche und gärtnerische Betreuung. Einheimische Pflanzen eroberten das Gelände zurück. Nach dem Fall der Grenze 1989 entdeckten die Forscher nur noch 90 von ehemals 1 400 kultivierten Arten.

Wellensittich-Enzian. Foto: Gunter Karste

Heute unterstützen ehrenamtliche Naturschutzhelfer, Wanderer und Brockenfreunde in Zusammenarbeit mit der Nationalparkverwaltung Harz das Wachsen und Gedeihen der Brockenanemone, Besenheide, der kleinen Alpen-Kuhschelle, des Brockenhabichtskrauts und anderer Heidepflanzen außerhalb des Brockengartens.

Zu den interessantesten wissenschaftlichen Arbeiten gehört eine Untersuchung des Instituts für Bodenkunde und Pflanzenernährung der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Dabei wurden der bodenbiologische Zustand sowie der Nährstoffstatus ausgewählter Standorte im Nationalpark Harz als Folge anthropogener Belastungen wie Stoffeintragungen, Bautätigkeiten, langjährige militärische Nutzung und Auswirkungen des Tourismus analysiert. „Man kann davon ausgehen, dass ein fortgesetzter Anstieg der Schwermetallvorräte bei gleichzeitiger Bodenversauerung potenzielle Gefahren birgt“, heißt es darin.

Der Brockengarten ist im Rahmen von Führungen für die Öffentlichkeit zugänglich. Von Mai bis Oktober finden Führungen um 11.30 und 14.00 Uhr statt. Eine Besichtigung ist auch Bestandteil der täglich stattfindenden geführten Rundwanderung auf dem Brockengipfel durch die Nationalparkwacht.

Weitere Informationen gibt es beim Nationalpark Harz (www.nationalpark-harz.de).

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