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Renaturierung der Auenlandschaft
Naturschutzprojekt Mittlere Elbe
Landschaft von besonderem Wert
Seit 2001 engagiert sich der WWF in seinem größten Projekt in Deutschland. An der Mittleren Elbe soll in einem Naturschutzgroßprojekt bis 2018 eine natürliche überflutbare Auenlandschaft mit artentypischer Flora und Fauna entstehen.
Das Projektgebiet umfasst die letzten noch weitgehend zusammenhängenden Auenwälder an der Elbe. Die an der Mittleren Elbe anzutreffende hohe Artenvielfalt ist auf eine naturschonende Nutzung des Gebietes zurückzuführen und sichert beispielsweise der letzten heimischen autochthonen Biberpopulation ihren ursprünglichen Lebensraum. Die Flusslandschaft ist nicht von Hochwasserdeichen geprägt, sondern abschnittsweise noch von natürlichen Talrändern eingefasst.

Die hervorragenden natürlichen Bedingungen führten 2001 zur Entscheidung des WWF, die Mittlere Elbe zwischen Elbe- und Saalemündung als Naturschutzgroßprojekt auszuweisen. Es ist das größte Projekt, das der WWF in Deutschland in Angriff nahm. Bis 2018 sollen die Projektziele unter hohem Einsatz von Förderungsmitteln umgesetzt werden.
Das Projektbudget umfasst 23,4 Mio.€, davon 75 Prozent vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, 15 Prozent vom Land Sachsen-Anhalt und 10 Prozent vom WWF als Projektträger.
Rahmendaten des Projektes:
- Projektgebiet: 9.050 Hektar
- Projektkerngebiet: 5.795 Hektar
- Auenwaldfläche im Kerngebiet: ca. 2.500 Hektar
- Geplante Deichrückverlegungsfläche: 600 Hektar
- Deichtrassenlänge: 7 Kilometer
- Geplanter Grunderwerb: 1.000 Hektar
Die Auswahlkriterien für Naturschutzgroßprojekte
Die Auswahl der Naturschutzgroßprojekte erfolgt anhand der Kriterien Repräsentanz, Großflächigkeit, Naturnähe, Gefährdung und Beispielhaftigkeit. Naturschutzgroßprojekte unterscheiden sich von anderen Naturschutzvorhaben besonders durch ihre Großflächigkeit und Komplexität. Die Bedeutung großflächiger Schutzgebiete liegt in der Minimierung negativer Außeneinflüsse, die sich bei kleinflächigen Schutzgebieten oft negativ auf die Schutzziele auswirken oder diese sogar ganz infrage stellen.
Erklärtes Ziel des Bundesförderprogramms ist es, die Kernflächen der Projektgebiete bis zum Ende der jeweiligen Projektlaufzeit als Naturschutzgebiete zu sichern. 1.000 km² der Kerngebietsflächen sind bisher als Naturschutzgebiete ausgewiesen. Dies entspricht einem Anteil von 0,3 Prozent der Bundesfläche.
Schritt für Schritt für natürliche Auenwälder an der Elbe
Projektziele sind die Sicherung und Renaturierung eines durchgehenden Verbundes echter, überflutbarer Auenwälder von der Mulde- bis zur Saalemündung sowie die Sicherung flusstypischer Dynamik. Damit verbunden ist die Notwendigkeit, die Retentionsfläche zu erhalten und zu vergrößern. Zur Besonderheit der Elblandschaft gehört das Vorhandensein von selten gewordenen Hartholz- und Weichholzauenwäldern. Diese sollen im Rahmen des Projektes erhalten und entwickelt werden. Weitere Aufgaben des Renaturierungsprojektes sind die Extensivierung der Grünlandnutzung, die Sicherung und Entwicklung von Feuchtgrünland, die Gewässerrenaturierung sowie die Förderung bundesweit gefährdeter und vom Aussterben bedrohter Tier- und Pflanzenarten.

Heute leben über 1.000 Biber an der Mittelelbe. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg war die autochtone Population der Elbebiber bis auf 300 Tiere zurückgegangen. Durch Schutzmaßnahmen und den Erhalt naturnaher Lebensräume konnten sich die Tiere in der Nationalen Naturlandschaft erholen. Und die Biber des Biosphärenreservats Mittelelbe sind mittlerweile auch en Exportschlager. Foto: Peter Ibe
Wesentliche Fördermittel werden für den Flächenerwerb eingesetzt, der in den ersten Projektjahren eine besondere Rolle spielt und die Voraussetzungen schafft für weitere Maßnahmen wie den Umbau und Neubegründung von Auenwäldern, die Renaturierung von Auengrünland und dessen nachhaltige, naturschutzorientierte Nutzung. Mit der Reaktivierung von Flutrinnen und der Rückverlegung eines Hochwasserdeiches werden echte Auenbedingungen geschaffen. Schließlich soll die Ausweisung des Projektkerngebietes als Naturschutzgebiet erfolgen, um den Prozessschutz zu sichern.
Die Fördermittel werden aber auch für langfristige Pacht und Ausgleichszahlungen, die Pflege- und Entwicklungsplanung, inklusive sozio-ökonomischer Untersuchungen und – sofern erforderlich – Moderation, für die Durchführung Biotop lenkender Maßnahmen, für Personal- –und Sachkosten, projektbegleitende Informationsmaßnahmen und Evaluierungen eingesetzt.
Nach Erstellung des Pflege- und Entwicklungsplanes erfolgte die Fachplanung, die im Dezember 2005 abgeschlossen war. Zur Fachplanung gehörte die naturschutzfachliche Bewertung des abiotischen und biotischen Inventars im Untersuchungsgebiet, die Ableitung von Naturschutzzielen und die Erarbeitung von Maßnahmenvorschlägen zur Biotopsicherung und -entwicklung.
Ein weiterer Schritt war die Erarbeitung der Planungsunterlagen für die Deichrückverlegung und die daraus entwickelte Fachplanung, die im März 2006 abgeschlossen wurde.
Zur Fachplanung gehörten die Trassenvermessung, Baugrunduntersuchung, Objektplanung, Grundwassergutachten, Oberflächenabflussmodellierung, Umweltverträglichkeitsstudie, landschaftspflegerischer Begleitplan und die FFH-Kohärenzstudie.
Seit 2001 gehörte der Flächenerwerb zu den ständigen Aufgaben. Im Jahr 2009 kann folgender Zwischenstand festgestellt werden:
904 Hektar im Eigentum des WWF, davon 545 Hektar Wald und 359 Hektar Offenland.
Weiterer Flächenerwerb erfolgt für die geplante Deichtrasse.
Weitere Maßnahmen zur Umsetzung des Projektes
Priorität hatten Maßnahmen zur Ersteinrichtung von Biotopen auf Flächen im Eigentum des Projektträgers. Dazu gehörten z. B. die Entwicklung eines Hartholzauenwaldes aus Eichensaat, aus Hybridpappelbeständen und aus Roteschenbeständen, die Wiederherstellung von Magerrasen, der Rückbau von Querdämmen zur Wiederherstellung der Offenstrukturen und Durchgängigkeiten von Flutrinnen sowie die Renaturierung von Brenndolden-Auenwiesen und die Entwicklung von Streuobstwiesen. Abschluss der Ersteinrichtungen war 2008.
Eine zentrale Rolle in diesem Großprojekt spielt die Deichrückverlegung. Im Juni 2009 lag die Entscheidung zur sofortigen Vollziehung des Planfeststellungsbeschlusses für die Deichrückverlegung vor. Nach bestätigter Aufstockung der Mittel und der Verlängerung der Laufzeit bis 2018 wurde in diesem Jahr noch mit folgenden Arbeiten begonnen:
- Planungsarbeiten und Ausschreibungen
- Vermessungen der Deichtrasse
- Holzungen auf der zukünftigen Deichtrasse
- Rodungen von Stubben im Deichlager
- Straßen und Wegebau für Bautransporte
- Flächenerwerb und Entschädigung
Rahmendaten zur Deichrückverlegung:

- 600 ha zusätzliche Überflutungsfläche
- 7.315 m Deichneubau
- ein Schöpfwerk mit einer Leistung von 2,5 m³/s
- 1.635 m neue Gräben
- 5.500 m Ertüchtigung bestehender Gräben
- laufendes Grundwassermonitoring unter Einbeziehung von Hausbrunnen vor Ort
- nach Konsolidierung des neuen Deiches Schlitzung des Altdeiches
- und E- Maßnahmen: Entwicklung Hartholzauenwald auf Offenland (12 ha Waldneubegründung und 6,5 ha Sukzession mit langfristiger Waldentwicklung)
Die Ausweisung des Projektkerngebietes als Naturschutzgebiet bedeutet, dass Waldflächen weitgehend als Prozessschutzflächen der natürlichen Entwicklung überlassen werden. Das heißt, dass die Waldflächen keine forstliche Nutzung erfahren, aber als ausgewiesene Jagdgebiete einem spezifischen Wildtiermanagement unterliegen und in denen auch das Betreten auf ausgewiesenen Wegen erlaubt ist.
Das WWF-Projekt an der Elbe ist in vielfacher Hinsicht ein Superlativ: Es betrifft eine gewaltige Fläche. Es umfasst einen großen Zeitraum von rund 17 Jahren. Und es fordert auf Grund hoher Komplexität eine hervorragende Projektlogistik. Biosphärenreservate als Modellregionen – im Biosphärenreservat Mittelelbe wird dieser Anspruch beeindruckend umgesetzt.
Dr. Astrid Eichhorn, Projektleiterin
Projektbüro Mittlere Elbe, WWF Deutschland
Hintergrundinformationen zur Fördermöglichkeit
Das Bundesprogramm zur „Errichtung und Sicherung schutzwürdiger Teile von Natur und Landschaft mit gesamtstaatlich repräsentativer Bedeutung“ besteht seit 1979. Deutschland fördert damit national bedeutsame Landschaften als Beitrag zum Schutz des nationalen Naturerbes und zur Erfüllung supranationaler Naturschutzverpflichtungen. Das Förderprogramm soll zum dauerhaften Erhalt von Naturlandschaften sowie zur Sicherung und Entwicklung von Kulturlandschaften mit herausragenden Lebensräumen zu schützender Tier- und Pflanzenarten beitragen.
Im Jahre 1989 wurde dieser Förderbereich durch das Gewässerrandstreifenprogramm erweitert. Dieses Programm hat sich zum Ziel gesetzt, durch die Ausweisung von mindestens zehn Meter breiten Gewässerrandstreifen zur Verbesserung der ökologischen Qualität der Fließgewässer beizutragen. Außerdem soll die Eigendynamik von Gewässern gefördert und auf diese Weise ein Beitrag zum Hochwasserschutz geleistet werden.
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2010 © EUROPARC Deutschland
Dachverband der Nationalparks, Biosphärenreservate und Naturparks - Nationale Naturlandschaften
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