Nationalparks in Deutschland

Die Infrastruktur in einem Nationalpark sollte dem Naturraum und Schutzzweck angemessen angelegt und gleichzeitig attraktiv und besucherorientiert sein. Das bedeutet, dass die Bereiche mit Prozessschutz oder besonders empfindlichen Ökosystemen vor Besuchseinrichtungen verschont bleiben sollten, da es sonst zu erheblichen Beeinträchtigungen kommen kann. Besuchermagnete sind beispielsweise Radwege, Kanustrecken, Informationszentren und -stellen, Aussichtspunkte, Baumwipfelpfade, historische Bauwerke, Wildtiergehege oder Beobachtungsstationen. Wander- und Radwege sollten parkspezifisch einheitlich und sichtbar, aber dezent mit Wegemarkierungen, Schildern und Hinweistafeln ausgewiesen werden und an das überregionale Wegenetz angebunden sein.

Nationalparks befinden sich meist in ländlichen peripheren Gebieten. Problematisch gestaltet sich deshalb in manchen Fällen die Erreichbarkeit der Parks bzw. ihrer wichtigsten Anziehungspunkte durch den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). So wird man bei der Planung der Infrastruktur möglicherweise mit folgenden Herausforderungen konfrontiert:

  • niedrige Taktung der bestehenden ÖPNV-Linien
  • kaum regulärer ÖPNV an Feiertagen und am Wochenende
  • Aufteilung einer Nationalparkregion in mehrere Verkehrsverbunde

Für die touristische Erschließung einer Nationalparkregion ist eine überregionale Lösung wichtig, die einen unkomplizierten Wechsel zwischen Verkehrsverbunden und Tarifzonen ermöglicht, da Wanderer sich nicht an administrativen Grenzen oder an Grenzen von Verkehrsverbunden und Tarifzonen orientieren können. Wird ein Nationalpark in einer Region eingerichtet, bieten Besucherströme die Chance, Fahrgastpotenziale zu generieren, die die Versorgung mit ÖPNV-Leistungen auch für die einheimische Bevölkerung verbessern und stärken können. Deshalb werden durch die Einrichtung eines Nationalparks die Mobilitätsangebote sowie die touristischen Infrastrukturen in der Regel verbessert. Beispielhaft ist die Lösung im Nationalpark Bayerischer Wald, in dem mit der Gästekarte des Beherbergungsbetriebs eine kostenfreie Benutzung des ÖPNV möglich ist.

So sind die meisten deutschen Nationalparks gut mit der Bahn zu erreichen. Tipps zur Anreise und zur Fortbewegung in den Schutzgebieten sowie Infos zu den Höhepunkten der Nationalparks bietet „Fahrtziel Natur“, eine Kooperation von BUND, NABU und VCD mit der Deutschen Bahn. Mit dabei sind zwölf der 16 Nationalparks (Stand: 2015): Bayerischer Wald, Berchtesgaden, Harz, Sächsische Schweiz, Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer, Hamburgisches Wattenmeer, Niedersächsisches Wattenmeer, Hainich, Eifel, Jasmund, Eifel sowie der Müritz-Nationalpark.

Der Nationalpark Bayerischer Wald hat es sich zur Aufgabe gemacht, Angebote für einen möglichst ökologisch und sozial verträglichen Besuch der Nationalpark- und Naturparkregion zu entwickeln. Die Urlaubs- und Freizeitempfehlungen, die auf der Webseite des Nationalparks vorgestellt werden, sind alle mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Außerdem nimmt die Region an „Fahrtziel Natur“ teil, einem Kooperationsprojekt von BUND, NABU, Verkehrsclub Deutschland und Deutsche Bahn zur Förderung eines umweltschonenden Tourismus in Naturschutzgebieten.

Bereits in den 1990er-Jahren wurde in der Region ein bedarfsgerechtes, umweltorientiertes Konzept für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) entwickelt. Seit 2000 arbeitet eine Projektstelle zur Weiterentwicklung des Verkehrskonzepts des Nationalparks Bayerischer Wald kontinuierlich daran, die Möglichkeiten eines autofreien Urlaubs auszubauen. Heute verbindet ein System aus mehreren Buslinien, den sogenannten „Igelbussen“, sowohl im Sommer als auch im Winter die beliebtesten Ziele des Nationalparkgebiets. Die Busse zeichnen sich durch einen besonderen Service wie beispielsweise häufigere Fahrtangebote im Vergleich zu Regionalbussen, Anschlusssicherungen zwischen den einzelnen Buslinien und zwischen Bus und Bahn sowie teilweise Anhänger für Fahrräder und Ski aus.

Die „Waldbahn“ bringt Besucher und Besucherinnen, die mit Nah- und Fernverkehrszügen in die Region reisen, von zwei Knotenbahnhöfen aus zu mehreren Ortschaften entlang der Nationalparkgrenze. Für die Zukunft sind ein Ausbau des Fahrtangebots von Bussen und Bahnen, die Installation von Fahrradständern an allen Bussen sowie eine verstärkte Zusammenarbeit mit dem Nahverkehrssystem des tschechischen Nachbar-Nationalparks geplant.

Ein weiterer Bestandteil des Nationalparkverkehrskonzepts ist der Verbundfahrschein „Bayerwald-Ticket“, der in Igelbus, Waldbahn sowie mehreren weiteren Bahn- und Buslinien der Nationalpark- und Naturparkregion gilt. Darüber hinaus bieten einige Gemeinden des Bayerischen Walds das „Gästeservice Umweltticket“ (GUTi) an. Bei der Anmeldung in einem Beherbergungsbetrieb erhalten Urlauber eine Gästekarte mit GUTi-Logo, die in diesen Gemeinden als eine dem Bayerwald-Ticket entsprechende Fahrkarte genutzt werden kann. Durch ein Fahrplanfaltblatt, das neben allen Fahrtangeboten im Geltungsbereich von Bayerwald-Ticket und GUTi auch einen Streckennetzplan und Tarifinformationen enthält, wird die Nutzung des ÖPNV zusätzlich erleichtert.

Das Verkehrskonzept des Nationalparks hat bereits mehrere Auszeichnungen erhalten – zuletzt 2012 die Bayerische Naturschutzmedaille des Bund Naturschutz in Bayern, die der Leiterin der Projektstelle für ihr großes Engagement zur Weiterentwicklung des ÖPNV im Bayerischen Wald verliehen wurde.

Qualitätskriterien und -standards für deutsche Nationalparke

Die Broschüre zeigt die Vorgehensweise bei der Entwicklung eines Evaluierungsverfahrens zur Überprüfung der Managementeffektivität der deutschen Nationalparks. Es wurden Handlungsfelder identifiziert und dazugehörige Kriterien und Standards festgelegt.


Die Umsetzung dieses Webseitenbereichs erfolgte mit freundlicher Unterstützung durch die Zoologische Gesellschaft Frankfurt.