Nationalparks in Deutschland

Wälder erfüllen zwei wichtige Klimafunktionen: Erstens sind sie ein gigantischer Kohlenstoffspeicher und zweitens funktionieren vor allem große, zusammenhängende Waldflächen wie riesige Klimaanlagen. Die Bäume setzen die auf ihre Kronen einstrahlende Sonnenenergie in Wasserdampf um, der einen kühlenden Effekt auf die Atmosphäre hat. Zudem wird ein Teil der Sonnenenergie zur Photosynthese genutzt und über den Holzaufbau gespeichert.

In den Wäldern junger Nationalparks wird im Vergleich zu anderen Ökosystemen und auch im Vergleich zu Wirtschaftswäldern besonders viel Kohlenstoff aufgenommen.  Diese Aufbauphase dauert in der Regel mehr als 100 Jahre. Ein Nutzungsverzicht in deutschen Wäldern führt zum stärksten Biomassezuwachs und damit zur höchsten Speicherleistung. Ist die anfängliche Phase des Vorratsaufbaus abgeschlossen, tritt ein Gleichgewichtszustand ein, bei dem sich Biomasseauf- und -abbau die Waage halten.

Es gibt unterschiedliche Ansichten darüber, ob Urwälder in Mitteleuropa fortan noch eine Senkenwirkung aufweisen, also weiterhin Kohlenstoff aufnehmen, oder ob sie den Kohlenstoff lediglich speichern, also den einmal fixierten Kohlenstoff binden, aber ab einem bestimmten Zeitpunkt in der Summe keinen weiteren Kohlenstoff mehr aufnehmen können. Eine in der renommierten Fachzeitschrift Nature veröffentlichte, umfassende Literatur- und Datenbankauswertung zeigt jedoch, dass Wälder auch langfristig Kohlenstoffsenken darstellen und weiterhin Kohlenstoff im Boden binden. Aktuelle Forschungsergebnisse des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie belegen diese Annahme. Ein Großteil der im Ökosystem Wald gebundenen Kohlenstoffmenge ist demnach in Auflagehumus, Mineralboden und Wurzeln enthalten und wird auch noch in sehr alten Wäldern dort eingelagert. Ein Beispiel aus Thüringen zeigt entsprechende Ergebnisse: Hier wurden ein bewirtschafteter Buchenwald (Leinefelde) und ein unbewirtschafteter Bereich des Nationalparks Hainich bezüglich ihres Netto-Ökosystemaustauschs an Kohlenstoff verglichen. Beide Wälder haben eine ähnliche Senkenwirkung.

Werden naturferne Wälder (wie etwa Fichtenreinbestände) aus der Nutzung genommen, können Kalamitäten auftreten und der Wald kurzfristig zur Kohlenstoffquelle werden. Zum einen ist dieser Umstand allerdings der zuvor stattgefundenen Bewirtschaftungsweise geschuldet und kann grundsätzlich nicht dem Managementkonzept eines Nationalparks zulasten gelegt werden. Zum anderen ist in diesem Zusammenhang zu berücksichtigen, dass der Verrottungsprozess bei Fichten ausgesprochen langsam ist und ein Großteil des Kohlenstoffs auch in den Boden eingebaut wird. Schließlich nehmen die schnell aufwachsenden jungen Bäume erneut Kohlenstoff auf.

In den Wäldern Deutschlands wächst bislang mehr Holz nach, als genutzt wird. Das heißt, dass der Holzvorrat mit durchschnittlich 336 m³ pro Hektar sehr groß ist. Gemäß der Bundeswaldinventur 2013 nimmt Deutschland damit eine Spitzenposition im Vergleich zu anderen Ländern Europas ein. Ein Nutzungsverzicht auf deutschen Waldflächen hat somit nicht zur Folge, dass andere Forstflächen übernutzt werden oder gar Primärwälder Sibiriens, Nordamerikas und der Tropen zusätzlich durch den deutschen Holzbedarf belastet werden müssten.

Außerdem bilden lange Nutzungskaskaden nachwachsender Rohstoffe (beispielsweise langlebige Möbel), effizienterer Ressourceneinsatz und geringerer Ressourcenverbrauch Möglichkeiten, den Nutzungsdruck zusätzlich zu reduzieren. Das erlaubt den Schutz von Kohlenstoffvorräten auf naturschutzfachlich besonders interessanten Flächen ohne Verlagerungseffekte. Hinzu kommt, dass es sich bei den Flächen, die im Rahmen einer Nationalparkausweisung langfristig tatsächlich aus der Nutzung fallen, gemessen an Deutschlands Gesamtholzvorrat, um kaum darstellbare Anteile handelt. Durch die Kohlenstoffbindung in den Urwäldern von morgen ist demnach eine größere Klimaschutzwirkung zu erwarten als durch den Ersatz von fossilen Energieträgern mit Holz aus abgelegenen Winkeln eines Nationalparks.

Schließlich kommt hinzu, dass durch die Ausweisung eines Nationalparks und der damit zusammenhängenden Förderung des Tourismus von indirekten positiven Klimaschutzeffekten auszugehen ist. Zum Beispiel wird in der Regel für das zunehmende Besucheraufkommen die örtliche Infrastruktur ausgebaut. Nicht quantifizierbar, aber sicher vorhanden sind in diesem Zusammenhang CO2-Einsparungen, die durch den Ausbau des ÖPNV-Netzes möglich sind. Außerdem wird es zahlreiche Menschen geben, die ihren Urlaub des Nationalparks wegen in der Region verbringen, anstatt ins Flugzeug zu steigen.

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