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Wölfe erobern sich die Natur zurück

Foto: Wildpark Schorfheide

Das Heulen in der pechschwarzen Nacht klingt für den ersten Moment etwas unheimlich. Während die ersten Laute noch ganz unscheinbar klingen, steigern sich die Töne bis zur hellen Melodie. Nun herrscht kein Zweifel mehr: Wölfe! Sie suchen mit ihrem Rufen entweder einen Partner, verteidigen ihr Revier gegen andere Rudel oder stimmen sich so auf die Jagd ein.

Foto: Wildpark Schorfheide

Foto: Wildpark Schorfheide

Dieses Wolfsgeheul ist in immer mehr  Gegenden Deutschlands zu hören. Schließlich gilt die dauerhafte Anwesenheit von rund 60 Wölfen als gesichert, nachdem die Tierart bis vor zehn Jahren sogar noch als weitgehend ausgerottet galt und sie auf DDR-Gebiet bis 1989 gejagt wurden. Doch der strenge Schutz sowohl für die Wölfe als auch für große Landschaftsräume hat den Einwanderern aus Polen gute Perspektiven vor allem in Sachsen und Brandenburg ermöglicht.

Zu den neuen Wolfsgebieten gehört der ehemalige Truppenübungsplatz Lieberose Heide im Südosten Brandenburgs bei Cottbus. Hier hat die Stiftung Naturlandschaften 3150 Hektar erworben, damit wieder Wildnis entstehen kann. Dazu gehört neuerdings auch der Wolf dazu, wie Revierförster Romeo Buder während eines Ausflugs in seine Wälder bestätigt. Er verweist auf Beweise durch automatische Fotofallen und weiß auch, warum sich mindestens ein Wolf in der Heide aufhält. „Er sucht solche ruhigen, störungsfreien und unzerschnittene Landschaften wie bei Lieberose“, sagt Buder. „Immerhin braucht ein einziges Rudel ein Territorium zwischen 270 und 300 Quadratkilometern, das es dann auch gegen Artgenossen verteidigt.“

Die Lieberose Heide gleicht schon jetzt in großen Teilen einer Wildnis. Waldbewirtschaftung fand hier schon lange nicht mehr statt. Noch immer warnen Schilder vor einem Verlassen der Wege: „Lebensgefahr! Munitionsverseuchtes Gebiet“. Vier Jahrzehnte lang hatten Soldaten aus der großen Sowjetunion hier das Abfeuern aller möglichen Granaten und Bomben geübt und sich nicht weiter um Blindgänger gekümmert.

Nach mehr als 15-minütiger Fahrt durch dichten Wald entdeckt der Revierförster endlich eine Spur mitten auf dem Weg. „Ich hab es mir gedacht. Der Wolf spart Energie“, sagt Romeo Buder mit geheimnisvoller Miene. „Das Tier stapft nicht etwa durch die Reste des Schnees und unwegsames Gelände, sondern nutzt für seine Streifzüge die Waldwege. Darauf  sind genau die Abdrücke der typischen und vor allem hintereinander aufgesetzten Wolfspfoten zu erkennen.

Den Wolf selbst hat der Revierförster in der Nähe seines Hauses schon gesehen. „150 Meter Entfernung dürften es gewesen sein. Dann hat er sich aus dem Staub gemacht.“ Er scheue den Kontakt zum Menschen und greife ihn „unter normalen Umständen“ nicht an.

Wie aus der Statistik hervorgeht, entwickelt sich das Bundesland Brandenburg neben der sächsischen Lausitz immer mehr zum dauerhaften Verbreitungsgebiet für Wölfe. Das Landesumweltamt geht von elf erwachsenen Tieren aus. 

Foto: Wildpark Schorfheide

Foto: Wildpark Schorfheide

Derzeit leben ein Rudel mit sechs Jungtieren in der ehemaligen Tagebaufläche Welzow-Süd bei Spremberg, jeweils ein Paar in der Zschornoer Heide in Südostbrandenburg und auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Jüterbog, ein Rudel mit fünf Welpen auf dem Militärgelände Altengrabow in Sachsen-Anhalt im Grenzgebiet zum Fläming bei Wiesenburg sowie Einzeltiere in der Wittstocker Heide (ehemaliges Bombodrom), in der Jännersdorfer Heide in der Prignitz und dem Truppenübungsplatz Lehnin im westlichen Brandenburg. Den sächsischen Teil der Lausitz durchstreifen fünf Wolfsfamilien.

Zurückgegangen sind trotz der gewachsenen Zahl der Tiere die Schäden bei Tierhaltern. In Brandenburg wurden im Vorjahr 34 Schafe und eine Ziege gerissen, in Sachsens fielen 21 Schafe den Wölfen zum Opfer. In beiden Bundesländern hat sich die Zahl der Verluste jeweils um mehr als die Hälfte gegenüber 2008 verringert. Das liegt in erster Linie an einer besseren Sicherung der Schafherden durch Zäune und spezielle Herdenschutzhunde.

Die Stiftung Naturlandschaften Brandenburg bietet auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz regelmäßig Exkursionen zu Wolfsspuren an.

Im Wildpark Schorfheide im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin sind Wölfe in naturnaher Umgebung zu beobachten. Außerdem werden hier „Vollmond-Wolfsnächte“ angeboten. Nach Buffetangebot in der Kräuterküche begibt sich die Gruppe mit Fackeln zu den Wölfen, wo sie eine Fütterung mit Vortrag erleben.

www.stiftung-nlb.de
www.wildpark-schorfheide.de

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